Samstag, Januar 13, 2007

Exiled


Zwei Männer klopfen an einer Tür. Eine Frau öffnet ihnen. Die beiden Männer erkundigen sich, ob in diesem Haus ein gewisser Herr To wohne. Die Frau verneint dies. Wenige Augenblicke später klopfen erneut zwei Männer an besagter Tür und stellen die gleiche Frage. Wieder ist die Antwort dieselbe. Die beiden Duos warten unten im Hof, ihre Blicke kreuzen sich, doch sie wechseln kein Wort. Erst als der vemeintliche Herr Ho das Haus betritt, kommt Bewegung in die Sache. Im Inneren der Wohnung kommt es zum Duell, einem klassischen Mexican standoff. Bis zum Bersten steigt die Spannung an, während die Protagonisten das Entladen ihrer Waffen zelebrieren. Es herrscht eine beängstigende Stille. Die Ruhe wird durch das anschließende Inferno aber jäh unterbrochen- Der Kampf, bis ins Details choreographiert, ähnelt mit seiner Grazie einer Ballettaufführung. Im Hintergrund ist das Geschrei eines Kleinkindes zu hören, was der Szenerie schon fast einen surrealen Charakter verleiht. Nachdem sich der Nebel der Verwüstung gelichtet hat, sitzen die Kontrahenten zusammen und essen. Es sind Freunde.
Willkommen in der Welt von Johnnie To, in der Freundschaft aber auch Ziellosigkeit vorherrschen. Bis ins kleinste Details durchstilisiert, greift To auf bekannte Muster andrer Genres zurück, um seine Protagonisten zu charakterisieren. Ein wenig wirkt der Film sowieso wie ein Querschnitt durch die Filmgeschichte, sind doch entscheidende Merkmale anderer Regisseure, wie Woo, Leone oder Peckinpah durch aus wiederzuerkennen. Kampfhandlungen werden bis aufs Äußerste hinausgezögert, brechen dann jedoch furios los und stehen so ganz stark im Kontrast zu den restlichen Filmminuten, in denen die Ruhe regiert; eine fast schon poetische Ruhe. Es ist vor allem die inszenatorische Konsequenz, die dem Film das gewisse Extra verleiht, während die Geschichte teilweise mit typisch asiatischen Krankheiten zu kämpfen hat und vollkommen deplazierte Slapstickelemente mit dem Grundtenor des Films brechen. Nichtsdestotrotz ist Exiled ein überaus starker Beitrag Tos, der damit vielleicht wieder die Gunst von Kritik und Publikum für sich zurückgewinnen kann. Angucken, denn Bilder sagen mehr als meine wenigen Worte ausdrücken können. 08/10

Freitag, Januar 12, 2007

US Boxoffice 05.01 - 07.01


Neues Jahr, neues Glück. Nachdem ich mir gegen Ende 2006 eine kleine Auszeit vom Boxoffice-Business gegönnt habe, steige ich nun 2007 wieder motiviert ein, um zu erzählen, was in den Staaten so an den Kinokassen los war. Im Moment noch später als von früher gewohnt, wird sozusagen das vergangene Wochenende abgearbeitet, während in den USA die Filme der kommenden Woche gerade anlaufen. Bis zum 31.03.07 müsst ihr damit also noch leben. Wie es danach aussieht? Mal schauen, wohin mich meine berufliche Zukunft führen. So, genug aus dem Leben des Frankie, hinein in das harte Geschäfte um Dollars und Plazierungen.
Insgesamt sind drei neue Filme ins Jahr 2007 gestartet und ein Werk hat seinen landesweiten Release erhalten. Von den drei erwähnten neuen Filmen, hat es „Code Name: The Cleaner“ mit Cedric the Entertainer und Lucy Liu mit $ 4,2 Mio. erst gar nicht in die Top 10 geschafft. Dazu gibt es dann auch noch entsprechende Kritiken. Wenn das mal kein böses Omen ist. Wie gewohnt wird nun das Feld von Hinten aufgerollt.

McGs Sportdrama „We Are Marshall“, basierend auf der wahren Begebenheit eines Flugzeugabsturzes, bei der die gesamte Footballmannschaft ums Leben gekommen ist, beweist Stehvermögen und sichert sich so den zehnten Platz. In Zahlen ausgedrückt sind dies weitere $ 4,9 Mio. für die Vereinskasse, welche $ 35,2 Mio. aufweist.

Wir bleiben sportlich, wenngleich bei einer anderen Disziplin: Boxen ist nun angesagt und „Rocky Balboa“ befindet sich, wenn auch leicht angeschlagen, noch im Ring. Es ist die neunte Runde, die Beine werden schwerer, die Deckung fällt zusammen, doch es reicht noch für $ 6,0 Mio.. Die Kampfbörse ist somit auf $ 60,6 Mio. angewachsen. Früher, als er noch jünger war, war es noch gut das Doppelte, aber immerhin besser als sein Ausflug ins Trainergeschäft.

Weiter geht’s von einem gefährlichen Terrain zum nächsten. Diesmal ist es kein Ring, sondern das Geschäft mit der Spionage, was wir auf der Leinwand zu sehen bekommen. Auch wenn das Thema komplex und der Film lang ist, es hat gereicht, um in der 3. Woche noch $ 6,4 Mio. einnehmen zu können. Das Gesamtergebnis von $ 48,3 Mio. ist für „The Good Shepherd“ dagegen trotzdem noch dürftig, besonders wenn das Budget doppelt so hoch gewesen sein dürfte.

Auch noch kein richtiger Goldesel ist Paramounts „Charlotte’s Web“, auch wenn zumindest in Deutschland die Schweinemanie dank eines Elektronikdiscounters durch die Ställe geistert, wie MKS zu seinen besten Tagen. In den Staaten ist das Virus scheinbar erfolgreich bekämpft worden, denn bei $ 6,6 Mio. am Weekend, $ 66,96 Mio. Haben bei Kosten von $ 85 Mio., da ist nicht nur der Schinken mager.

Auf Platz sechs, da tummelt sich die Hex‘... ähh, die Stiefmutter. Als erster Neustart in den Top 10, hat sich die animierte Märchenpersiflage „Happily N’ever After“ breitgemacht, dessen $ 6,61 Mio. wahrlich kein Grund für Jubelarien sind. So wie man LionsGate aber kennt, wird der Film auch nicht die Welt gekostet haben und man wird dadurch keinen großen Schiffbruch erleiden.

Auch als kein richtiger Kassenknüller hat sich das Musical „Dreamgirls“ herausgestellt, welches zwar mit $ 8,67 Mio. ganz ordentlich dabei ist und schon $ 54,3 Mio. umsetzen konnte, doch bei diesem namhaften Cast mit Jamie Foxx, Beyonce Knowles und Eddie Murphy, hat man sich sicherlich doch noch etwas mehr erhofft. Aber es läppert sich und da nächste Woche noch einige Kopien mehr in Umlauf geraten werden, kann ja noch was passieren.

Einen ganz passablen Start hat dagegen das Jugenddrama „Freedom Writers“ mit Hillary Swank als toughe Lehrerin in der Hauptrolle hingelegt, der bei 1360 Kopien immerhin $ 9,4 Mio. einfahren konnte. Dank der niedrigen Kosten in Höhe von $ 21 Mio. und einer Aufstockung der Kopien um gut 800 zu diesem Wochenende, wird der Film wohl in den grünen Bereich gelangen.

Den entsprechenden Boost aufgrund eines Kopienschubs hat „Children of Men“ hingelegt, der prompt auf den dritten Platz geschossen ist und zumindest dem Zweitplazierten gefährlich wurde. $ 10,2 Mio. hat der Film für sich gewinnen können, der international mit gut $ 33 Mio. Umsatz schon wesentlich mehr einspielen konnte. Aber noch ist nicht genug eingespielt, um die Kosten von über $ 70 Mio. decken zu können.

Dieses Problem hat Sony bei „The Pursuit of Happyness“ nicht, denn mit Will Smith als Zugpferd, der hier schon seinen fünften Film mit ihm in der Hauptrolle über die $ 100 Mio. Marke gebracht, kann nicht viel schiefgehen. Da der Film mit $ 55 Mio. auch noch vergleichbar preisgünstig gewesen ist, wird man sich in der Chefetage bei Sony sicherlich freuen. Ach ja, $ 12,88 Mio. hat er am vergangenen Wochenende erwirtschaftet und liegt aktuell bei $ 124 Mio.

Einsam und verlassen kreist ein Film an der Spitze umher, scheinbar konkurrenzlos, denn die neuerlichen $ 23,7 Mio. von „Nights at the Museum“ sind schon ein starkes Ausrufezeichen. Wenngleich das vergangene Jahr nicht mit solch Superblockbustern geendet ist, wie 2005, so schaufelt immerhin dieser Film ordentlich Geld und wenn er so weiter macht, dann ist die $ 200 Mio. Marke in Gefahr. Noch hat er nur $ 163,8 Mio. in den Taschen, noch.

Wahrlich starke Konkurrenz dürfte ihm nicht widerfahren, denn neben den schon erwähnten Kopienzuwäschen von „Freedom Writers“ und „Dreamgirls“ gehen diesen Freitag keine allzu übermächtigen Filme an den Start:
So bekommt Zhang Yoimous „Curse of the Golden Flower“ seine landesweite Auswertung, nachdem er schon in ausgewählten Städten angelaufen ist. Mit 1234 Kopien und der Tatsache ein fremdsprachiger Film zu sein, dürfte er den Sprung nach vorn aber nicht schaffen. Ein ähnliches Handicap hat übrigens auch „Arthur and the Invisibles“, ist dies doch ein französischer Animationsfilm aus der Feder von Luc Besson, der nun ebenfalls auf den breiten Markt losgelassen wird und 2247 Kopien mit sich führt.
Gänzliche Neustarts snd z.B. Universals Drama „Alpha Dog“, basierend auf der Geschichte von Jesse James Hollywood, dessen Verfahren vor nicht all zu langer Zeit abgeschlossen wurde oder ist es immer noch am Laufen? Naja, jedenfalls versucht sich Justin Timberlake mal wieder am Film und mit Bruce Willis und Sharon Stone gibt es auch noch namhaftes Beiwerk zu bestaunen. Bei 1288 sind die Aussichten auf eine Topplazierung aber mager. Weiteres Futter für die Jugend wird durch Sonys „Stomp the Yard“ geliefert, der sich bewährter Genrerezepte bedient und mit modernem Stepptanz eine durchaus interessante Ausdrucksform findet. Ob er auch sein Publikum findet, wird sich zeigen. 2051 Kopien sind auch nicht wirklich viel. Für Freunde der härteren Gangart bietet BuenaVista den ersten Horrorfilm des Jahres mit „Primeval“. Wer den Trailer ohne Epilepsieanfälle überstanden hat, dürfte auch für den Rest des Werkes gerüstet sein. Mit 2444 Kopien ist man nominell jedenfalls der stärkste Neuling.

Sonntag, Januar 07, 2007

Prestige - Die Meister der Magie

Every great magic trick consists of three acts. The first act is called "The Pledge"; The magician shows you something ordinary, but of course... it probably isn't. The second act is called "The Turn"; The magician makes his ordinary some thing do something extraordinary. Now if you're looking for the secret... you won't find it, that's why there's a third act called, "The Prestige"; this is the part with the twists and turns, where lives hang in the balance, and you see something shocking you've never seen before. - Dies ist nicht nur die Erklärung, wie ein großartiger Zaubertrick funktioniere, nein, es ist gleichzeitig die Erklärung, wie jeder großartige Film funktioniert, denn Christopher Nolans The Prestige ist eine Liebeserklärung an den Film, eine der schönsten seit langem. Verpackt ist sie in ein Spiel voller Falltüren, voller Wendungen, voller Gefühle des Neids und der Sinnhaftigkeit ihres Seins nicht nur zwischen den beiden Magiern, denn diese Motive scheine in dem Film zu jeder Zeit präsent zu sein. Ganz in der Tradition großer literarischer Werke ist es diese Obsession, die den Treibstoff des Films bildet.
Nolan ist hier der Zauberer, der mit dem Publikum nach Belieben jongliert, ihm jedesmal ein X für ein O vormacht, dauernd eine weitere Falltür öffnet, die einen neuen Blick auf das Geschehene gewährt. Präsentiert auf drei Narrationsebenen sollte man ganz genau hingucken und hören, nicht nur, um der Story zu folgen, sondern auch, um die Tricks und Kniffe des Puppenspielers Nolans nachzuvollziehen. Gelingen wird es einem wahrlich nicht, man bannt fasziniert auf das Treiben, die Augen abgelenkt von der authentischen Atmosphäre des viktorianischen Englands oder von den schneebedeckten Gipfeln Colorados, fasziniert von den emotionsgeladenen Darbietungen der Schauspielriege, allen voran Christian Bale und Hugh Jackman. Ein weiteres Mal gerät Scarlett Johansson dabei fast nur noch zum puren Eye Candy. Über allen Dingen erhaben, Michael Caine, nicht nur als Rolle im Film, sondern auch Schauspieler, dessen langjährige Routine in jeder einzelnen Bewegung zu spüren ist. Es ist schwer das Gesehene in Worte zu fassen und ein zweites Anschauen des Filmes ist garantiert. So kann das Kinojahr 2007 weitergehen. 09/10

Femme Fatale

Was ist Traum, Wunschgedanke und was ist real? Mit diesen substantiellen Fragen sieht sich der Zuschauer von Brian De Palmas Thriller konfrontiert, spätestens dann, wenn er mit einem fulminanten Schlusstwist das Geschehen noch einmal auf den Kopf stellt, dem Film eine andere Perspektive gibt. Nun heißt es rekapitulieren, über das Gesehene nachdenken, denn De Palma ist ein schlauer Fuchs, der fleißig Fährten in Form von Metaphern gestreut hat, denn das gesprochene Wort ist unwichtig, zu viele Lügen entweichen den Mündern der Protagonisten in diesem durchtriebenen Spiel. Was Großes hätte es werden können, was De Palma vor gehabt hat und doch, ein wenig scheitert er. Das ein ums andere Mal stolpert er über seine selbstverliebte Inszenierungsweise. Sicherlich, der Prolog ist fulminant präsentiert, technisch brillant in Szene gesetzt und atmosphärisch dicht, doch später im Film, wenn eine mehrminütige SplitScreen-Sequenz an den Tag gelegt wird und andere Spielereien zum Vorschein kommen, dann trifft der engl. Begriff Style over Substance durchaus zu. Denn zumindest das doppelbödige Spiel der Protagonisten Lily (Rebecca Romijn-Stamos) mit dem Paparazzo Bardo (Antonio Banderas) ist schnell durchschaut, wenngleich das Spiel der beiden Schauspieler ohne Tadel ist und besonders Romijn Erscheinen auf der Leinwand die Atmosphäre zum Köcheln bringt. Wer Mulholland Dr. mag, der wird auch Femme Fatale mögen, wenngleich die aufgefahrenen Kaliber Lynchs diesen Film beinahe pulverisieren. Ich werde ihn mir sicherlich ein weiteres Mal zu Gemüte führen, bis dahin:07/10.
Und ist es nicht paradox, bei einem fiktionalen Werk über Illusion und Wirklichkeit zu diskutieren?

City Hunter

Reizüberflutung: Unter Reizüberflutung versteht man Situationen unter Überforderung an Reizen, welche der Mensch nicht mehr richtig verarbeiten kann. Von den 'klassischen' Reizen Hören, Sehen, Riechen, Schmecken und Tasten sind besonders die akustische und optische Wahrnehmung der Auslöser für eine Reizüberflutung. Das war der Exkurs in die Wissenschaft, nun zum Film: Schaut man sich Jackie Chans Manga Adaption bis zum Ende an, so leidet man unweigerlich an oben beschriebenem Zustand, denn was man innerhalb der gut 95 Minuten alles zu hören und sehen bekommt, hält nur der stärkste Filmfan durch. Sollte jemand so rein garnichts mit asiatischer Slapstick und Overacting am Hut haben, so wird der Film für einen die Hölle sein, denn eine dieser Szenen jagt hier die nächste. Betont auf Comic getrimmt versucht der Film keinen Moment lang ernst zu bleiben, schlüpfrige Witze, Blödeleien, Grimassen und andere Zoten werden abgefeuert und der Zuschauer muss diese alle einstecken. Zum Teil unterhaltsam, wirkt die Masse, in der die Geschütze aufgefahren werden, zum Schluss nur noch erdrückend. Sicherlich, der Film hat seine starken Momente und man merkt, dass Jackie Chan sichtlich Spaß beim Dreh gehabt haben muss, kein Wunder, bei all den hübschen Damen an seiner Seite. Dass die Privatdetektivgeschichte irgendwann nur noch zur Nebensache wird, Eye Candy und Klamauk im Vordergrund stehen, ist klar und wenn dann die Street Fighter-Serie auf den Bildschirm gebracht wird und Jackie in Frauenkostümen seinen Gegner verdrischt, dann weiß man, es ist zu viel des Guten. Da lobe ich mir andere Szenen, zum Beispiel jene, in der Jackie Chan sich vor Bruce Lee verbeugt, in dem er, während Game of Death auf der Leinwand läuft, von Lee lernt, wie er mit größeren Gegnern fertig wird. Für mich die schönste Szene im ganzen Film. Schade, dass es davon nicht mehr gibt. 06/10

Die Schlangengrube und das Pendel

12 zu Tode gequälte Jungfrauen, dazu Old Shatterhand, die bezaubernde Karin Dor und Christopher Lee im tiefsten Bayernlande. Wenn das mal kein Schmankerl für den Filmfan ist, der bisher alles zu sehen geglaubt haben will. Regisseur Harald Reinl, dem geneigten Kenner durch einige Edgar Wallace Adaptionen bekannt, scheint sich 1967 wohl folgendes gedacht haben: Die Briten haben sie, die Italiener auch und selbst in Spanien wird's gedreht, nur Deutschland darf nicht mitspielen. Die Rede ist von Gothic-Horror, richtige Oldschool-Schinken und "The Torture Chamber of Dr. Sadism" - ja, auch ausländische Titel für deutsche Filme können mehr als putzig sein - ist so ein Film. Wohlwollend könnte man in Anbetracht dieses Films sagen, Reinl habe sich bei seinen ausländischen Kollegen inspiriert, man könnte aber auch einfach sagen, er habe fleißig geklaut: Ein bisschen Corman hier, ein wenig Bava dort. Das wirkt teilweise sehr aufgesetzt und besonders die Szene mit der Kutsche im Rot des Sonnenuntergangs haut von der Farbkomposition wenig hin. Der gute Mario aus Italien hatte da eben doch ein wenig mehr Talent. Mal abgesehen von solchen Fauxpas', bekommt der Zuschauer hier ein Stück naiver Kinogeschichte präsentiert, quietschig skurril mit Schaufensterpuppen als schlecht getarnten Leichen, Plastiktotenschädeln und einer schröcklichen Schlangengrube mit 5 oder 6 Bewohnern. Nichtsdestotrotz, der Film ist verdammt unterhaltsam und spätestens wenn der Kutscher so aus heiterem Himmel mit Herzinfarkt vom Bock purzelt, der falsche Pfarrer den Insassen an die Brüste geht und Old Shatterhand als einziger kühlen Kopf behält, während draußen Christopher Lees untoter Diener über den Bildschirm wackelt, da bleibt kein Auge trocken, wenn auch unfreiwillig. EuroCult as its best, und solch Filme, ja, die haben auch die Briten, Italiener und Spanier vollbracht und dafür liebt sie eine ganze Gemeinde Filmfans der etwas anderen Art. Bevor ich mir jedenfalls eine der dt. TV-Produktionen antue, greife ich hundertmal lieber auf Harald Reinls Trashgranate zurück. 06/10

Samstag, Januar 06, 2007

US Boxoffice: Abschlusscharts 2006

Wenn ein Jahr sich dem Ende neigt, werden wieder die beliebten Statistiken hervorgeholt und mal mehr, mal weniger interessante Tabellen präsentiert. Da nun auch das Kinojahr 2006 vorbei ist und sich Fans weltweit über die besten und schlechtesten Filme austauschen, ist es nun an der Zeit, auch in finanzieller Hinsicht hinzuschauen, frei jeglicher Äußerungen über die vermeintliche Qualität der Werke.
Wie immer gibt es Positives und Negatives zu berichten. Nachdem die Studios 2005 einen erheblichen Dämpfer erlitten haben und das Gesamteinkommen um über 6 Prozent zurückging, sieht die Bilanz für dieses Jahr wesentlich besser aus. Mit geschätzten $ 9,2 Milliarden Umsatz kommt man zwar nicht an das Traumjahr 2004 heran, doch der Negativtrend scheint erst einmal gestoppt. Nichtsdestotrotz sollte man nicht zu sehr über das Ergebnis jubeln, denn 2006 gingen auch die meisten Kinofilme an den Start, gut 600. Ausgesprochen heißt das, dass die einzelnen Filme immer weniger einspielen und das bei weiter steigenden Produktionskosten. $ 200 – 300 Millionen Dollar inkl. Werbung sind für einen Film nicht mehr selten und das Risiko für die Label, sich somit große Lücken ins Konto zu reißen, auch nicht wesentlich kleiner. Ein wahrlich gefährlicher Trend. Wir werden sehen, was uns das Jahr 2007 noch alles bescheren wird.

Platz 10 hat sich jedenfalls im wahrsten Sinne des Wortes „Talladega Nights: The Ballad of Ricky Bobby“ erfahren, der zwischen August und Oktober insgesamt $ 148,21 Mio. einspielen konnte und wohl noch von „Night at the Museum“ abgefangen werden kann, der als Jahreswechsel-Film aktuell noch auf der Leinwand zu bestaunen ist. Als typisch aufs amerikanische Publikum zugeschnittener Film, ist sein Abschneiden weltweit mit knapp $ 15 Mio. nicht weiter erwähnenswert.

Auf dem neunten Platz trifft man nun den ersten Animationsfilm in den Jahres-Top 10 und den einzigen Vertreter von Paramount/Dream Works. „Over the Hedge“ ist mit $ 155,02 Mio. der vierterfolgreichste Vertreter seiner Art und mit nochmals $ 176 Mio. aus dem weltweiten Geschäft, bringt es der Film auf $ 331,65 Mio. Einspiel. Interessant in diesem Zusammenhang ist, dass auch der Markt mit Animationsfilmen stark gesättigt ist, denn der Großteil der Filme bliebt doch hinter den Erwartungen der Studios zurück.

Bond is back und Bond ist auf Platz 8 und hat somit all seine Kritiker gestraft, denn $ 157,77 Mio. sind ein mehr als beachtliches Ergebnis und nach den $ 160 Mio. von „Die Another Day“ das zweitbeste Abschneiden in den USA. Wie groß sein Siegeszug jedoch wirklich ist, erfährt man erst mit einem Blick auf die Zahlen aus dem Rest der Welt, denn hier hat „Casino Royale“ $ 336,99 Mio. einspielen konnten und mit somit insgesamt $ 494,75 Mio. ist dies der bisher erfolgreichste der Serie.

Auf Platz 7 findet sich der erste Film von Warner wieder und der nächste Animationsfilm $ 181,41 Mio. hat „Happy Feet“ bisher für sich verbuchen können und die Erfolgsgeschichte von Pinguinen im Film bleibt weiterhin bestehen. Mit den internationalen Zahlen kommt man dann gar auf $ 296,60 Mio.

Wir bleiben in kalten Gefilden, denn der nächste Platz wird von den sympathischen Protagonisten aus „Ice Age: The Meltdown“ besetzt, die erneut ein fulminante Ergebnis für sich verbuchen konnten. $ 195,33 Mio. aus den Staaten + $ 451,93 Mio. aus dem Rest der Welt ergeben $ 647,26 Mio. Gesamteinspiel und den 28 Platz der ewigen Bestenliste.

Es war wahrlich das Jahr der Auferstehung alter Helden, denn der Mann aus Stahl konnte sich, trotz eigentlich ernüchternder Zahlen, auf dem fünften Platz niederlassen. Die $ 200,10 Mio. von „Superman Returns“, dem teuersten Film des Jahres, nützten nämlich nicht, um die Produktionskosten auszugleichen. Da musste schon das weltweite Einspiel von weiteren $ 191 Mio. herhalten. $ 391 Mio. sind es schlußendlich geworden und doch weniger, als bei Warner erhofft, die den Spitzenplatz der Studios auch nicht verteidigen konnten.

Wesentlich erfolgreicher waren dagegen die Ermittler von „The Da Vinci Code“, die auf ihrer Suche $ 217,54 Mio. gefunden haben. Dazu kommen weitere $ 539,13 Mio. aus Übersee und so steht ein Gesamtergebnis von $ 756,66 Mio. in den Büchern. Das macht Platz 21 der weltweit erfolgreichsten Filme aller Zeiten.

Weltweit zwar nicht ganz so stark, dafür am heimischen Markt fast nicht zu knacken, waren die Helden aus „X-Men: The Last Stand“, der $ 234,63 Mio. eingespielt hat und Fox den dritten Platz sichert. Fast nochmal das gleiche Ergebnis kommt aus dem Rest der Welt hinzu und so hat man fast eine halbe Milliarde einspielen können, nämlich $ 458,76 Mio. Der dritte Teil ist damit der erfolgreichste der Serie.

Platz 1 und 2 werden von einem einzigen Label verteidigt, nämlich von Buena Vista/Disney, deren Animationsfilm „Cars“ zwar nicht an die anderen Produkte Pixars heranreicht, mit $ 244,10 Mio. jedoch nur von einem Film geschlagen worden konnte. International sind weitere $ 217,7 Mio. in die Kasse geflossen, wodurch ein Gesamteinspiel von $ 461,82 Mio. zu Buche steht.

Unerreichbar auf dem ersten Platz kreist ein Film einsam seine Runden: „PIRATES OF THE CARIBBEAN: DEAD MAN'S CHEST“. Und die Eckdaten sind wahrlich furchteinflößend: $ 423,32 Mio. aus den Staaten, $ 642,05 Mio. aus dem Rest der Welt, und ein Gesamteinspiel von $ 1,06 Mrd. sprechen für sich. Wenn der dritte Teil nun genauso einschlägt, darf man sich auf etwas gefasst machen. Platz 3 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten und zumindest den zweiten Platz könnten sich die Piraten dann dieses Jahr vielleicht schnappen.

Doris Day Collection Vol.2 im April

Für Freunde von America's Sweetheart beginnt das neue Jahr wunderbar, denn nachdem schon Fox angekündigt hatte, drei weitere Titel ihrer Filmographie auf Silberling zu bannen, bringt Warner Home Video dieses Jahr ihre zweite Doris Day Collection heraus, die weitere sechs Filme aus ihrer goldenen Zeit bei Warner enthält. Zu kaufen wird das Ganze ab dem 10.04.2007 zu sein und Fans werden sicherlich beherzt zuschlagen. Enthalten sollen folgende Werke sein:

Romance on the High Seas (1948) - Zaubernächte in Rio
Features include:
  • Classic Warner Bros. musical short Let’s Sing a Song from the Movies
  • Classic Warner Bros. cartoon I Taw a Putty Tat
  • Theatrical trailer
  • Languages: English & French
  • Subtitles: English, French, Spanish

My Dream is Yours (1949) - Mein Traum bist Du
Features include:
  • Vintage Joe McDoakes comedy short So You Want to be an Actor
  • Oscar nominated Warner Bros. short The Grass is Always Greener
  • Classic Warner Bros. cartoon A Ham in a Role
  • Theatrical trailer

I’ll See You in My Dreams (1952) - In all meinen Träumen bist Du
Features include:
  • Vintage short The Screen Director
  • Classic Warner Bros. cartoon Lovelorn Leghorn
  • Theatrical trailer

On Moonlight Bay (1951) - Romance mit Hindernissen
Features include:
  • Vintage Warner Bros. musical Short Let’s Sing a Song About the Moonlight
  • Classic Warner Bros. cartoon A Hound for Trouble
  • Theatrical trailer

By the Light of the Silvery Moon (1953) - Heiratet Marjorie?
Features include:
  • Vintage Joe McDoakes comedy shorts:
    • So You Want to Learn to Dance
    • So You Want a Television Set
  • Oscar-nominated Warner Bros. cartoon From A to Z-Z-Z-Z
  • Theatrical trailer

Lucky Me (1954) - Das blonde Glück
Features include:
  • Vintage Warner Bros. short When the Talkies Were Young
  • Oscar-nominated Warner Bros. cartoon Sandy Claws
  • Theatrical trailer


Valdez


1971: Mit New Hollywood auf dem Vormarsch und den italienischen Western im Nacken, war es an der Zeit, dass eine der uramerikanischsten Domänen ein Facelift bekommen würde. Die Romantisierung des Westens in einer Epoche, in der die Vereinigten Staaten ihr Image von Freiheit und Gerechtigkeit immer mehr zu verlieren schienen, war nicht mehr angebracht. Dazu kam obendrein, dass das Genre in dem eigenen Land immer mehr an Popularität einbüßte. Just zu diesem Zeitpunkt entstanden die interessantesten, teils sogar besten US-Vertreter der Ära nach Ford und Co.

In Valdez is Coming ist es die Geschichte eines Mannes, der Entschädigung für eine Tat fordert, an dessen tragischem Ausgang er mitverantwortlich ist, die dem Publikum präsentiert wird; die Geschichte eines alternden, gebrochenen Mannes, dessen Vergangenheit Scham in ihm hervoruft; es ist die Geschichte von Bob Valdez (Burt Lancaster). Als Hilfssheriff arbeitet Valdez bevorzugt in den Spanisch sprechenden Gebieten des Verwaltungsbezirkes, wo er ein hohes Ansehen unter seinen Landsleuten genießt.
Schon an diesem Aspekt, dass kein Amerikaner, sondern ein alter, in manchen Szenen der Exposition gar einfältiger Mensch, den Titelhelden verkörpert, erkennt man die Veränderung, die das Genre durchgemacht hat. Doch bis zur heldenhaften Auferstehung wie der Phönix aus der Asche, muss Valdez, der zu einer Festnahme eines vermeintlichen Deserteurs gerufen wurde, diesen aufgrund des schießwütigen Verhaltens eines an der Aktion beteiligten Cowboys, in Notwehr töten. Dass es sich dabei gar um den Falschen gehandelt hat, stört die Bevölkerung scheinbar überhaupt nicht, schließlich sei nur ein Schwarzer gestorben und den tödlichen Schuß habe ja schließlich Valdez selbst abgegeben.

Rassismus, noch heute ein heikles Thema und das nicht nur in den Staaten, wird in vielen früheren Genrebeiträgen größtenteils ausgeblendet, bzw. nur von einzelnen Personen an den Tag gelegt, deren Bestrafung fast auf dem Fuße folgte. Hier jedoch scheint dieses Thema omnipräsent zu sein, denn ob bewusst ausgelebt oder nicht, ein jeder hegt diese Tendenzen in sich, was deutlich wird, wenn Valdez für die Squaw sammeln möchte, die mit dem Getöteten zusammengelebt hat. Das Bestreben derjenigen, die ebenso für den Tod des Schwarzen verantwortlich sind, Geld zu geben und so symbolisch ihre Mitschuld einzugestehen, tendiert gen Null. Parallelen kann man hier zum Jetzt ziehen, denn das Schuldeingestehen fällt den Amerikanern noch immer schwer, egal welches Thema das nun betrifft.

Der Höhepunkt des Teibens wird gar erreicht, wenn Valdez für sein störrisches, wenngleich immer freundliches Bitten nach finanzieller Unterstützung für die Hinterbliebene, vom Drahtzieher der fingierten Festnahme Frank Tanner (Jon Cypher) christusgleich ans Kreuz gebunden wird, respektive er ihn binden lässt und Valdez wie durch ein Wunder von einer Person dann doch noch gerettet wird. Andernfalls wäre er wohl in der Wüste jämmerlich krepiert. Das bisher mehr im Verborgenen mitarbeitende Christusgleichnis mit Valdez als Messias der Unterdrückten, kommt nun vollkommen zur Entfaltung. Der Klimax ist erreicht, denn von nun an zelebriert Regisseur Edwin Sherin die Abrechnung Valdezs mit all jenen, die ihn gedemütigt und misshandelt haben. Nicht nur auf der Leinwand erlebt der Zuschauer Genugtuung, nein, auch bei einem selbst setzt dieses wohlige Gefühl ein, denn durch Valdezs Charakterzüge und den ihm gegenüber mehr als skrupellos gezeichneten „ehrwürdigen“ Bürgern, entwickelt der Zuschauer starke Sympathien für den Titelhelden.

Die nachfolgende Eintreibung des Rechts ist jedoch kein selbstgerechtes Unterfangen, denn durch eindeutige Hinweise erfährt das Publikum von Valdezs Vergangenheit und Aufgaben beim Militär, wo er sich Fähigkeiten angeeignet hat, auf die er nicht stolz ist, in dieser Situation aber notwendig sind. Hart und direkt werden die bewaffneten Auseinandersetzungen gezeigt und passen sich so der bisher aufgekommenen Atmosphäre an. Westerntypisch werden zwar auch weitwinklige Aufnahmen und Totalen präsentiert, doch diese dienen dazu, die karge Landschaft auf Zelluloid zu bannen oder gar, um Valdezs Scharfschützenqualitäten zu unterstreichen. Wunderbar ausdrucksstark sind auch die Schlusseinstellungen des Films, welcher mit dem unumgänglichen Showdown auf einem Plateau endet, bei dem die Kamera Stück für Stück immer weiter herauszoomt. Auch sollte man während des Abspanns nicht wegschalten, man würde etwas Wichtiges verpassen.
Am Ende obsiegt zwar doch die Gerechtigkeit aber als mehr als einen Teilerfolg kann man es trotzdem nicht ansehen und auch Valdez wird die Last, Unschuldige getötet zu haben, weiter mit sich tragen müssen. So bekommt der scheinbare Triumph doch noch einen langen, nachhaltigen Beigeschmack spendiert; anders hätte es aber auch nicht zum restlichen Film gepasst.

Lancaster, zum Zeitpunkt des Drehs längst ein Globetrotter gewesen, drehte er doch sowohl in den Staaten, wie auch in Europa: hier zum Beispiel mit Luciano Visconti zusammen, hatte 1970 seinen Zenit auch schon überschritten und war somit fast schon prädestiniert gewesen für die Rolle des Valdez. Sein Spiel ist spartanisch, ganz so wie das Auftreten seiner Figur im Film und verfehlt trotzdem nicht seine Wirkung. Die langjährige Erfahrung Lancasters ist zu spüren und sein gut getimtes Aktionsvermögen verleiht seiner Figur die nötige Authentizität. Ihm gegenüber vermag es Jon Cypher nicht, seiner Rolle das letzte Quentchen Skrupellosigkeit einzuverleiben. Dies mag vielleicht am Skript gelegen haben aber ein gewisses Maß an Improvisationsvermögen schadet nie. Ebenfalls blass verbleibt Susan Clark als Gay Erin, die die innere Zerrissenheit ihrer Filmrolle stärker zum Vorschein hätte bringen müssen.

Valdez is Coming ist ein durchaus kritischer aber noch viel mehr unterhaltsamer Western, dessen letztes Drittel durch erhöhte Dynamik und actionreichere Sequenzen auch Leute ansprechen könnte, die dem Genre nicht so zugeneigt sind. Westernfreunden dagegen, dürften vor allem die veränderten Rollenverteilungen und die konsequente, rohe Herangehensweise auffallen, die dem Film interessante Interpretationsmöglichkeiten bieten. Sehenswert, ohne Zweifel. 08/10

Dienstag, Januar 02, 2007

Saigon


Being a cop is tough. But in Saigon, 1968, being a cop is crazy. - Die Werbezeile von Off Limits, so der Originaltitel dieses Copthrillers aus dem Jahr 1988, verspricht schon einmal Gutes und mit Willem Dafoe, Gregory Hines und Fred Ward sind auch noch namhafte, bzw. bekannte Gesichter dabei. Wichtig bei Filmen in vergangener oder zukünftiger Zeit ist die Authentizität und diese wird bei diesem Werk gewahrt. Sowohl was Production Design, Props und Costumes angeht, scheint man sich in die späten 60er Jahre Südasiens versetzt und auch die wenigen Kriegsszenen wirken überzeugend. Inhaltlich gesehen präsentiert sich der Film als klassischer Whodunit-Flick, der durch die historische und geographische Einordnung für etwas mehr Zündstoff sorgt. Letzteres ist auch gar nicht so fehl am Platz, denn die reine Geschichte ist mit derer von anderen Genrevertretern verwandt: Die beiden CID-Sergeants Perkins (Hines) und McGriff (Dafoe) werden zu einem Mord an einer der unzähligen Prostituierten der Stadt gerufen. Eigentlich nichts Ungewöhnliches. Doch der Fund ranghoher Dienstabzeichen eines US Offiziers macht die Sache prekär. Schnell ist ein vermeintlicher Augenzeuge gefunden, doch dieser wird von Killern liquidiert und auch bald sind Perkins und McGriff selbst nicht mehr in Sicherheit. Dazu kommen noch Konfrontationen mit der einheimischen Bevölkerung und der vietnamesischen Militärpolizei, die die Sache nur verkomplizieren. Das routiniert funktionierende Skript hält den Zuschauer bei Laune, bietet in der Endabrechnung jedoch zu wenig Überraschendes, bzw. Neues, um den Film aus der Mittelmäßigkeit hervorstechen zu lassen. Dazu gesellt sich eine leicht unpassend wirkende angedeutete Romanze zwischen McGriff und einer Novizin, die nicht zum ansonsten rauhen Ton des Filmes passen will. Für Unbehagen sorgen auch manche, stark amerikanisierte Äußerungen, wie man sie in vergleichbaren Produktionen der 80er Jahre zu finden vermag und die ein starkes Schwarzweißdenken projizieren. Dazu passt auch die durchweg feindselig gestimmte Charakterisierung des vietnamesischen MP-Cornels Lime Green, für den der Zuschauer schnell Antipathien entwickelt. So ist Off Limits schnell als Produkt seiner Zeit identifizierbar, als die Action noch roh war, die Dialoge und Sets dreckig und harte Männer in einsamer Mission auf der Leindwand zu sehen waren. Vielleicht etwas angestaubt, aber trotzdem noch unterhaltsam, könnte der Film Anklang bei Krimi- und Actionfreunden finden. Sicherlich nicht Willem Dafoes beste Mitarbeit aber auch keinesfalls seine schlechteste. 06/10

Wild Bill


Walter Hill, in den 80er bekannt geworden durch harte Actionkost wie The Warriors oder 48Hrs., schickte sich 1995 an, das Leben der Westernlegende James Butler Hickok Platz zur Entfaltung, zur Erklärung nimmt sich Hill nicht. Erst als Wild Bill in Deadwood ankommt, kehrt etwas Ruhe ein. Was nun folgt ist eine genauere Betrachtung seiner letzten Lebenstage, bevor er von seinem Mörder umgebracht wird. Nun folgt ein Versuch der Auseinandersetzung mit dieser Figur, die auch hier mehr auf Mythen, denn als Fakten basiert. Es mag an den Schwarzweiß-Flashbacks liegen, die wie prätentiös zu wirken versuchen oder am eher schwachen Cast: Christina Applegate kommt von ihrem Dumpfnase-Image einfach nicht weg und ironischer Weise verkörpert sie hier auch noch eine Hure, John Hurt, der den britsichen Freund Wild Bills mimt und mit seinen zu verfilmen. Herausgekommen ist schlußendlich ein mehr als ernüchterndes Werk, ist Hills Versuch, das Schaffen Hickoks auf knapp 90 Minuten zu komprimieren, schlicht gescheitert. Sicherlich ist es ein schweres Unterfangen solch eine Lebensgeschichte auf Film zu bannen, kursieren doch mehr Gerüchte um die Person Hickok als Fakten, nichtsdestotrotz sollte man dann wenigstens einen technisch soliden Beitrag abliefern können, denn Hills Werk wirkt besonders in den ersten Filmminuten wie ein unfertiges Produkt. Episodenhaft aneinander gereiht folgt ein Duell dem nächsten, die Zeit schreiter genauso schnell fort, wie die Duellisten ins Gras beißen und die einzelnen Etappen von Bills Leben werden nur schemenhaft angerissen. zynischen Off-Kommentaren versucht einzelne Gedankensprünge im Film zu verknüpfen oder David Arquette, dessen Verkörperung von Jack McCall unausgeglichen und lächerlich wirkt. Den Vogel schießt jedoch Ellen Barkins selbstinszinatorische Darstellung der Calamity Jane ab, ist die Gewichtung der historischen Person für Wild Bills Leben sowieso schon fraglich, bekommt Barkin im Film selbst so viel Freiraum, dass sie durch glänzendes Overacting brilliert. Ein wunderbares Beispiel, wie man es nicht zu machen braucht. Einzig Jeff Bridges Performance ist auf konstant gutem Niveau, doch die kann den Film dann auch nicht mehr retten. Vielleicht wäre es besser gewesen, einen Regisseur zu nehmen, der nicht so vernarrt in das Thema ist, denn mit dem finalen Produkt kann der Zuschauer nicht zufrieden sein, zu roh und leer wirkt der Film, kann dem Leben dieser Legende zu keinem Zeitpunkt gerecht werden. Da helfen auch keine gut choreographierten Actionsequenzen, denn selbst dieser Strohhalm erweist sich als Utopie, ist das Gebotene dafür zu zahm. Schuster bleib bei deinen Leisten. 05/10