Montag, April 05, 2010

Ich folgte einem Zombie


Für Fans klassischer Horrorfilme ist Val Lewton eine feste Institution. Als Chef der Horror-Abteilung der RKO Pictures zeichnete er sich für neun Genrebeiträge verantwortlich, die heute Kultstatus genießen und Lewtons Namen unsterblich machten. Trotz der Tatsache, dass diese Filme für wenig Geld als B-Produktionen abgedreht wurden,überzeugen sie doch vor allem aufgrund ihrer hochwertigen Geschichten und setzen sich damit leicht von anderen Produktionen jener Zeit ab, auch wenn die Titel stellenweise publikums-
wirksam reißerisch ausgewählt wurden - Lewton selbst konnte sich nicht dagegen wehren, hatte er darüber keine Kontrolle. Letzteres sollte man dann auch im Hinterkopf haben, wenn man sich Jacques Tourneurs I Walked with a Zombie zur Brust nimmt, der auch die Zombie-Thematik anders beleuchtet, als man es aus den "of the Dead"-Filmen und ähnlichen "moderneren" Vertretern kennt.

Der Film selbst spielt auf einer Karibikinsel, auf die es die Kanadierin Betsy (Frances Dee) verschlägt, soll sie doch dort als Krankenschwester arbeiten und die kranke Ehefrau des Plantagenbesitzers Paul Holland (Tom Conway) pflegen. Auf der Insel angekommen, lernt Betsy auch Pauls Halbbruder Wesley (James Ellison) kennen und realisiert schnell, dass Paul, dessen Frau Jessica und Wesley eine gemeinsame, unrühmliche Vergangenheit haben, welche wohl auch zu Jessicas Erkrankung beigetragen hat. Zu allem Überfluss verliebt sich Betsy auch noch in Paul, will aber ihren Gefühlen keinen freien Lauf lassen und stattdessen als Zeichen ihrer Liebe Jessica, die nach einem tropischen Fieber den Verstand verloren hat und nun, nur noch einer Hülle gleich, vor sich hin vegetiert, helfen, wieder zu Sinnen zu kommen. Dabei scheut sie es auch nicht, die örtlichen Voodoo-Rituale als Heilmittel in Betracht zu ziehen, wodurch das Unheil seinen Lauf nimmt...

Der Begriff Zombie bezieht sich hier also auf das klassische Bild eines willenlosen Wesens und hat nichts mit den bluthungrigen Untoten der heutigen Popkultur zu tun und so dreht sich I Walked with a Zombie auch um jene Voodoo-Rituale, bei denen u.a. auch jene schwarze Magie angewendet wird, wenngleich primär die Familiengeschichte der Hollands im Mittelpunkt steht, die während der kurzen Laufzeit von nicht einmal 70 Minuten Stück für Stück ans Tageslicht gelangt und auch stellenweise Parallelen zu Charlotte Brontes Jane Eyre aufweist. Letzteres ist aber gleichzeitig auch hinderlich, wünscht man sich doch stellenweise weniger verzweifelte Liebesgeschichte, sondern mehr Suspense und Grusel, denn dann trumpfen Tourneur und Lewton auf, haben sie doch eine wahrlich schaurige Atmosphäre erschaffen und wenn Betsy und Jessica nächtens durch das Zuckerrohrfeld laufen, um den geheimen Ort des Voodoo-Rituals aufzusuchen, dann kann man die Nackenhaare einzeln zählen. Das Spiel mit Licht und Schatten, dem clever eingesetzten Produktionsdesign in Kombination mit der sich langsam entwickelnden Story und die von Anfang an düstere, feindselige Atmosphäre machen die großen Momente des Films aus. Untermalt wird das Ganze dann auch noch durch die bedrohlich wirkenden Voodoo-Trommeln, die über weite Strecken die musikalische Begleitung bilden. Horror/Grusel kann so schön sein und Tourneur/Lewton liefern hier einen wunderbaren Beweis ab. 8,5/10

Kommentare:

Whoknows hat gesagt…

Was ich immer so beeindruckend an diesen billig hergestellten, aber künstlerisch herausragenden RKO-Horrorfilmen der 40er fand: Sie bringen mit ihrem seltsamen Spiel mit Licht und Schatten den Zuschauer dazu, Dinge zu sehen, die er gar nicht zu sehen bekommt. Wäre schön, wenn sich heutige Regisseure auch mal wieder in dieser Kunst üben würden. Super Eintrag!

Frankies Filmecke hat gesagt…

Danke für deinen Kommentar und ich kann dir auch nur zustimmen, dass jene Art des Filmemachens leider nahezu aus der Mode gekommen ist. Dank DVD - nur nicht in Deutschland, wie so oft - sind jene Filme aber jederzeit abrufbar.