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Donnerstag, Februar 10, 2011

Topkapi


Jules Dassins Vita allein würde ausreichen, um daraus einen spannenden Film zu machen. Ende der 40er Jahre kreierte er für 20th Century Fox einige der besten Film Noirs, um wenig später Opfer des McCarthyismus zu werden. Mit einem Arbeitsverbot belegt, verließ er die USA und siedelte sich in Europa an. Mit Rififi sollte ihm 1955 sein bekanntester Film gelingen und auch in den 60er Jahren gehörte er zu den gefeierten Regisseuren Europas. Speziell die Produktionen mit seiner Ehefrau Melina Mercouri und ihr politisches Engagement für die Demokratisierung Griechenlands bleiben im Gedächtnis. 1964 kehrte Dassin insofern zu seinen europäischen Filmwurzeln zurück, als dass er mit Topkapi noch einmal einen Heist-Film ablieferte, der zugleich auch als selbstironische Persiflage auf seinen großen Erfolg zu verstehen ist.

Elizabeth Lipp (Melina Mercouri) hat es auf edle Schmuckstücke abgesehen. Speziell an einem mit wertvollen Edelsteinen besetzten Dolch hat sie Gefallen gefunden. Dieser befindet sich im Topkapi-Palast in Istanbul. Zusammen mit Walter Harper (Maximilian Schell), einem Meisterdieb, schmiedet sie einen Plan, um an das Objekt der Begierde zu gelangen. Man einigt sich darauf, Amateure zu engagieren, da diese bei der Polizei noch nicht aktenkundig sind und man so keine Spuren hinterlasse. Alles verläuft wie am Schnürchen, bis sie in Griechenland den selbsternannten Archäologen Arthur Simpson (Peter Ustinov) damit beauftragen, einen Wagen nach Istanbul zu überführen, der mit versteckten Waffen ausgestattet ist. Der türkische Zoll findet diese jedoch an der Grenze und verdächtigt den etwas trotteligen Simpson nun des Terrorismus, da sie der Überzeugung sind, dass die Waffen für ein Attentat bestimmt sind. Um an die Hintermänner zu gelangen, wird Simpson kurzerhand zu einem türkischen Agenten ernannt und auf Lipp und Harper angesetzt. Durch einen Trick kann Simpson sein Verbleiben bei Lipp und Harper erklären und schon bald erweist sich Simpson als unersetzlich, da ein Mitglied der Diebesbande verletzt ausscheiden wird und nur Simpson seinen Platz einnehmen kann…

Auch mehr als 45 Jahre nach seinem Erscheinen, ist es leicht verständlich, was Topkapi auszeichnet(e). Vor der faszinierenden Kulisse Istanbuls spielend, verfolgt der Zuschauer das Treiben jener bunten Truppe. Passend zum Wetter und der Entstehungszeit strahlt der Film eine herzliche und gelöste Atmosphäre aus. Letzteres liegt vor allem an den teils skurrilen Charakteren, denen man begegnet. Da gibt es den exzentrischen, britischen Tüftler, der in einem Spielzeugladen zu wohnen scheint und nicht zuletzt ist es Ustinovs tollpatschiger Simpson, der sich in die Herzen des Publikums spielt. Nichtsdestotrotz merkt man dem Film aber auch an, dass er nicht ganz so gut gealtert ist. Primär die Eröffnungssequenz ist deutlich als Kind der Zeit zu erkennen, wirkt aber gleichzeitig wie ein deplatziertes Gimmick und auch die allgemeine Formel des Heist-Films ist hier recht schleppend erzählt, so dass die Spannungskurve während der zwei Stunden einige Beulen bekommt, was stellenweise auch daran liegt, dass Szenen zu sehr gedehnt werden, wie z.B. jene während des Ringkampfturniers. Andererseits wird die Spannung beim finalen Einbruch dann wieder merklich angezogen und Reminiszenzen zu Rififi werden geweckt. Erneut stellt Dassin sein ganzes inszenatorisches Können unter Beweis und nicht umsonst wird jener Einbruch auch in Brian De Palmas Mission: Impossible (1996) zitiert. So entschädigt das Finale für einige zähe Passagen.

Dass diese ebenfalls nicht so sehr ins Gewicht fallen liegt auch an den Schauspielern, die den Zuschauer auch in jenen Momenten unterhalten können. Speziell Peter Ustinov sticht hervor, dessen Darbietung des Arthur Simpson genau richtig betont ist, um diesen liebenswerten Lebenskünstler glaubhaft wirken zu lassen, der hier in etwas verwickelt ist, was viel größer als er selbst ist und zwischen den Stühlen des türkischen Geheimdienstes und der Diebesbande sitzt. Seine zweite Oscarauszeichnung war insofern die richtige Konsequenz. In einer tollen Nebenrolle brilliert auch Akim Tamiroff, der einen dauerbetrunkenen Koch spielt, der Lipp und ihre Bande für russische Spione hält und unbedingt einen Orden bekommen möchte. Besonders im Vergleich zu Ustinov fallen Schell und Mercouri zurück. Ersterer schafft es nicht wirklich, sich als Mastermind zu präsentieren und brilliert eher mit seinem guten Aussehen und Melina Mercouri möge es mir verzeihen, wo immer sie jetzt auch sein mag, dürfte die Rolle der blonden Verführerin und Juwelenliebhaberin primär ihrer Ehe mit Dassin zu verdanken haben. Talent ist ihr sicherlich nicht abzusprechen aber die Rolle der Elizabeth Lipp, so wie sie vom Drehbuch angelegt ist, ist für sie suboptimal.

Auch wenn der Film ein wenig von seinem früheren Charme verloren hat, kann Topkapi noch immer gut unterhalten und gehört zum Standardrepertoire des Heist-Films: 7,5/10.

Freitag, September 03, 2010

Bewegliche Ziele

Die interessantesten Geschichten schreibt noch immer das Leben. Unter der Prämisse, Boris Karloff schulde ihm noch zwei Drehtage und er müsse Stockfootage aus The Terror - Schloss des Schreckens (1963) benutzen, genehmigte der legendäre Roger Corman Peter Bogdanovichs ersten bekannten und von der Kritik geschätzten Kinofilm: Targets bzw. Bewegliche Ziele – so der deutsche Titel.
Anstatt jedoch aus dem Stockfootage und eigenem Material ebenfalls in Richtung Gothic-Horror zu gehen, entschied sich Bogdanovich, im Stile des aufblühenden New Hollywood-Kinos, den Horror der Neuzeit auf die Leinwand zu bannen und gleichzeitig schuf er einen letzten Genrehöhepunkt für den Altmeister Boris Karloff.

Die Geschichte erstreckt sich dabei in zwei zunächst parallelen Handlungssträngen. Auf der einen Seite verfolgt der Zuschauer den gealterten Horrorstar Byron Orlok (Boris Karloff), der, sichtlich unzufrieden mit seinem letzten Film, nach einem Testscreening – das Material von The Terror wird hier teilweise eingesetzt – sein Karriereende bekannt gibt. Für seinen Regisseur Sammy Michaels (Peter Bogdanovich) ist das ein Schock, hat er doch die perfekte Rolle für Orlok in seinem nächsten Film, der ganz anders sein soll, als die bisherigen Produktionen mit ihm. Doch Orlok lässt sich nicht umstimmen, auch wenn Michaels ihn immer wieder bedrängt. Orlok ist sich sicher, dass die (Schauspiel)Zeit für ihn abgelaufen sei und die Menschen Angst vor ganz anderen Dingen hätten als noch vor 30-40 Jahren. Nur zu einem letzten Auftritt lässt er sich überreden: die Vorstellung seines neusten Films in einem örtlichen Autokino.
Nahezu gleichzeitig beobachtet man Bobby Thompson (Tim O’Kelly), Typ Nachbarn von nebenan, wie er in einem Waffengeschäft ein Gewehr kauft. Anfangs nichts Ungewöhnliches, doch ein Blick in seinen Kofferraum verheißt nichts Gutes: ein ganzes Waffenarsenal führt er mit sich. Zusammen mit seiner Frau und seinen Eltern wohnt er in einem Einfamilienhaus. Der Zuschauer merkt, dass es in ihm brodelt, und auch Bobby bemerkt seine Entwicklung, doch zu einem Gespräch mit seiner Frau kommt es nicht mehr, da sie während des täglichen Trotts scheinbar keine Zeit für eine Aussprache haben. So folgt der Ausbruch des Vulkans wenige Tage später und Bobby erschießt erst seine Frau, dann seine Mutter und zieht, bis an die Zähne bewaffnet los, um von Industriesilos vorbeifahrende Autos auf dem Highway zu beschießen. Als die Polizei dies bemerkt, flüchtet er und sucht sich ein neues Ziel, indem er sich hinter der Leinwand des nächsten Autokinos verbarrikadiert…

Nun braucht man sicherlich kein Filmstudium um zu erahnen, dass es schlussendlich zu einem Aufeinandertreffen zwischen Byron und Bobby kommen muss, dem modernen Horror und der „antiken“ Variante, doch bevor es soweit ist, bekommt der Zuschauer erst einmal einen Einblick in das Leben der 60er, eine Zeit, die auch Byron nicht mehr zu verstehen scheint. Der Wandel in der Gesellschaft wird also anhand zweier Personen, Byron und Bobby, dargestellt. So ist vor allem die mangelnde Kommunikation der Menschen zu beobachten, die im Falle von Bobby zwar unter einem Haus leben, sich aber nur über Nichtigkeiten austauschen oder gemeinsam die Abende vor dem Fernseher verbringen, wenngleich Bobby seine Probleme gegenüber seiner Frau andeutet, die ihn aber zurückweist.
Byron hingegen ist es Leid, wie ein Relikt vergangener Tage in miserablen Produktionen angegafft zu werden – ein nicht zu übersehender Seitenhieb auf so manch filmischen Ausrutscher in Karloffs Karriere.

So ist der Film nicht nur von der Story her zweigeteilt, sondern auch von der Atmosphäre. Immer wenn Bobby zu sehen ist, macht sich ein Gefühl von Unbehagen breit, diese latente Gefahr, die Ruhe vor dem Sturm und man denkt, er könne jederzeit explodieren. Byrons Part wirkt dagegen viel gelöster, was auch an Sammys Charakter liegt, der ja versucht, Byron noch umzustimmen und so z.B. mit ihm einen Trinkabend in seinem Hotelzimmer veranstaltet, inkl. Kater und einem „schrecklichen Erwachen“. Hier zeigt Karloff auch ungeahnte komödiantische Talente. Deutlich merkt man auch den New Hollywood-Einschlag. Einerseits anhand der Thematik und andererseits an der Optik des Films. Besonders die Außenaufnahmen wurden hier im Guerilla-Stil ohne Genehmigungen gedreht und auch sonst wird bei der Inszenierung auf das Opulente der Spät 50er und 60er Jahre verzichtet und so gibt sich der Film passend zu seinem Thema recht nüchtern, was sich auch im Fehlen eines Score niederschlägt.

Mit Targets ist Bogdanovich jedenfalls ein überaus intelligenter und packender Film gelungen, der jedem Interessierten ans Herz gelegt werden kann: 08/10.

Dienstag, Mai 11, 2010

Der eiskalte Engel

Regisseure wie John Woo oder Johnnie To verehren Jean-Pierre Melvilles Le Samouraï und für viele Filmfans ist Alain Delons Jef Costello die personifizierte Coolheit. Produziert im Jahre 1967 wirkt er doch fast wie ein Fremdkörper in der Kinolandschaft jener Tage. Dabei ist der Film stilistisch und inhaltlich nur eine konsequente Fortsetzung in Melvilles Œuvre. Das klassische US-Kino trifft auf die Nouvelle Vague. Garniert mit einer Prise Samuraifilm entstand so ein zeitloser Klassiker.

Jef Costello (Alain Delon) ist ein Killer, ein eiskalter Profi. Normalerweise erledigt er seine Aufträge präzise. Bei seinem letzten Job, dem Mord an einem Pariser Barbesitzer, wird er jedoch von mehreren Personen beobachtet. Zwar hat er ein scheinbar wasserdichtes falsche Alibi, ausgestellt von (s)einer Freundin Jan (Natalie Delon), doch trotzdem muss er ein stundenlanges Verhör auf dem Polizeirevier über sich ergehen lassen. Es kommt sogar zu einer Gegenüberstellung mit den verschiedenen Augenzeugen. Zu Jefs Verwunderung wird er jedoch nicht eindeutig wiedererkannt. Auch nicht von der Pianistin des Clubs Valérie (Cathy Rosier), der er bei seiner Flucht nahezu in die Arme gelaufen ist. So wird Jef wieder entlassen. Die Polizei ist sich jedoch weiterhin sicher, den richtigen Mann vor sich gehabt zu haben und so beschatten sie von nun an Jef. Zu allem Überfluss wollen nun auch Jefs Auftraggeber, dass dieser von der Bildfläche verschwindet, weil er ja erkannt wurde. Ein erster Mordversuch schlägt fehl und Jef beginnt, den Spieß umzudrehen...


Schweigen ist Gold und an diese Maxime hält sich Melville. Fast 10 Minuten vergehen bis Alain Delon seinen ersten Dialog hat. Worte sind zweitranging und wenn gesprochen wird, dann nicht ohne Grund. Sonst reichen Delons Präsenz und Melvilles Gespür für Bildkompositionen, um den Film und die Geschichte voran zu treiben. Letzteres ist natürlich insofern nicht so schwer, als dass das Grundgerüst nicht zu komplex ist und sich inhaltlich am amerikanischen Gangsterfilm/Film Noir orientiert. Doch erst durch die europäischen Einflüsse, wie eben die Nouvelle Vague und die Reduktion bekannter Elemente, wie eben des Dialogs, zeichnen die Narration und damit einhergehend den gesamten Film aus. Herausragend ist da sicherlich die Eröffnungssequenz. Der Zuschauer blickt minutenlang in einen heruntergekommenen Raum. Zuerst bemerkt man sicherlich nur den Vogelkäfig und hört das Gezwitscher dessen Bewohners. Später fällt einem dann Jef Costello auf, wie dieser auf seinem Bett liegt und eine Zigarette raucht. Überspitzt formuliert braucht man ab dieser Stelle den Film gar nicht mehr weitergucken, erzählt diese Szene doch schon so viel über den weiteren Verlauf, ist Spiegel- und Vanitasbild, Ausgangspunkt für die Reise des verlorenen Titelhelden Jef Costello. Monsieur Melville, chapeau! Ich ziehe meinen Hut: 09/10.

Montag, März 01, 2010

Gangster in Key Largo


Wann ist der richtige Zeitpunkt für Heldenmut und wann ist es Weise, sich ruhig zu verhalten? Fragen, die in John Hustons Klassiker Key Largo eine entscheidende Rolle spielen. Der Film, der 1948 in die amerikanischen Kinos kam, ist gleichzeitig auch das letzte gemeinsame Projekt der inzwischen verheirateten Schauspieler Humphrey Bogart und Lauren Bacall, die in insgesamt vier Warner-Produktionen Seite an Seite spielten und so zu einem der berühmtesten Paare Hollywoods wurden - privat wie geschäftlich. Regie führte der unvergleichbare John Huston, der erneut unter Beweis stellte, dass es "eigentlich" recht wenig bedarf, um einen guten Film zu machen: die passende Story und kompetente Schauspieler, spielt Key Largo an sich eigentlich nur an einem Set und hat so durchaus Züge eines Kammerspiels.

Inhaltlich handelt die Geschichte von Frank McCloud (Humphrey Bogart), einem Veteranen des Zweiten Weltkriegs, der sich zu den Florida Keys aufmacht, um die Familie seines gefallenen Kameraden zu besuchen. Diese findet er auf der Insel Key Largo, wo der Vater seines verstorbenen Waffenbruders James Temple (Lionel Barrymore) und dessen Schwiegertochter Nora (Lauren Bacall) ein kleines Strandhotel bewirtschaften. Doch schon bei der Ankunft scheint etwas nicht zu stimmen, wird das Hotel doch von zwielichtigen Personen bevölkert, die alles andere als gastfreundlich reagieren. Doch Frank wird immerhin von James freundlich aufgenommen und eingeladen, eine Nacht im Hotel zu verbringen, um ihm mehr von seinem Sohn und den Umständen seines Todes zu erzählen. Die Situation spitzt sich zu, als nicht nur die Polizei mehrmals das Hotel aufsucht - man ist hinter zwei geflohenen Kleingaunern her, sondern auch durch die Tatsache, dass sich ein Hurrikan vor der Küste zusammenbraut. Diese Umstände führen dann auch dazu, dass sich die myteriösen Hotelgäste zu erkennen geben: es ist der Gangster Johnny Rocco (Edward G. Robinson) mit seinen Männern, der diesen abgelegenen Ort aufgesucht hat, um einen Deal über die Bühne gehen zu lassen. Kurzerhand nimmt man alle Unbeteiligten als Geisel doch der Sturm und Machtspiele gehen bei beiden Seiten an die Substanz und gewalttätige Zwischenfälle scheinen unausweichlich.

Schon die ersten Minuten des Films geben einen Anhaltspunkt, wohin die Reise noch gehen wird. Selbst als die Situation noch ungefährlich zu sein scheint, macht sich ein Unbehagen bei den Zuschauern breit, provoziert durch eine latent bedrohliche Atmosphäre: Die Luft ist schwül und die Hotelgäste alles andere als vertrauenserweckend. Ein Vorgeschmack auf das, was Huston noch loslassen wird, wenn sich Bogart und Robinson erst einmal gegenüberstehen, denn dann ist die Spannung bis in die Haarspitzen spürbar und jede falsche Bewegung könnte die letzt sein und schon aus der Ferne hört man das Heulen des Sturms, während es an der Zeit ist zu entscheiden, ob man ein toter Held oder lebender Feigling sein möchte, steht doch das Verhalten der Einzelnen, speziell Frank McClouds, im Mittelpunkt. Ein Aspekt im Film, der die Zugehörigkeit Key Largos zum Film Noir, wo die innere Gebrochenheit der Protagonisten einen Hauptaspekt darstellt, unterstreicht. Angesichts jener Eckpunkte ist es auch kein Wunder, dass den Schauspielern hier ein verstärktes Augenmerk gilt und speziell Edward G. Robinson unterstreicht erneut, warum er zu den Besten seines Fachs gehörte und dafür zu Lebzeiten nie wirklich ausgezeichnet wurde. Wie dem auch sei, Key Largo ist ein Muss für jeden Klassikfreund und Thrillerliebhaber: 09/10.

Sonntag, Januar 31, 2010

Lohn der Angst

Das menschliche Verhalten in Extremsituationen wurde schon oft in Filmen thematisiert aber nur wenige haben auch nur annähernd die Klasse eines Lohn der Angst, der 1953 in die europäischen Kinos kam und bis heute wohl das bekannteste Werk des französischen Regisseurs Henri-Georges Clouzot ist. Der selbst unter widrigen Bedingungen gedrehte Film vereint dabei Elemente des Film Noir und des europäischen Kinos der Nachkriegszeit, ist Charakterstudie und Abenteuerthriller zugleich und ebnete sicherlich den Weg für das Actionkino, so wie wir es heute kennen.

Der Film spielt dabei in der südamerikanischen Einöde, in einem kleinen Dorf mitten im Nirgendwo, welches von diversen gescheiterten Existenzen bevölkert wird, deren eine Hoffnung sie alle verbindet: endlich den Absprung aus diesem Nest zu schaffen. Darunter befinden sich auch Mario (Yves Montand), den man schon ein wenig als Sunnyboy titulieren kann, der Deutsche Bimba (Peter van Eyck) und der Italiener (Folco Lulli). Wenig später strandet auch noch der ältere Jo (Charles Vanel) in dem Ort. Früher einmal eine große Nummer, lebt er noch immer von seinem Namen. Die Vier sind es auch, die kurz darauf einen Job bei hiesigen Ölfirma annehmen, der ihnen endlich Reichtum und ein Ticket nach Hause verspricht. Die Sache hat nur einen Haken: Sie müssen als Himmelfahrtskommando zwei LKW-Ladungen Nitroglyzerin zu einem 300km entfernten Bohrfeld schaffen, damit dort ein Brand gelöscht werden kann. Schon nach wenigen Metern macht sich die Angst bei den ersten Besatzungsmitgliedern breit und es liegen noch hunderte Kilometer vor ihnen...

Um die einzelnen Charaktere besser zu verstehen, sich mit ihnen identifizieren zu können, nimmt sich Regisseur Clouzot fast eine Stunde Zeit, um sie vorzustellen und der Zuschauer bekommt ein detailliertes Bild ihrer aktuellen Lebenssituation, bevor jenes Porträt schon wenig später demontiert wird, wenn sie dem Druck der Anspannung und der Angst ausgesetzt sind, der während des Transports omnipräsent ist. Man merkt schnell, welches Verhalten bisher nur Fassade war, doch all diese Rekationen der Charaktäre wären nicht nachvollziehbar, wenn jenes Angstgefühl, welches sie umgibt, nicht auch zum Zuschauer transportiert werden würde und hier zeigt sich Clouzots genialer Inszenierungssinn, wenn die LKWs über buckelige Pisten rumpeln, an tiefen Abgründen vorbeirollen und man nie weiß, was sich hinter den nächsten Kurve verbergen wird. So leidet man als Zuschauer förmlich mit und so muss Film auch sein. Eine tour de force par excellence. 9,5/10

Montag, November 16, 2009

Über den Dächern von Nizza


Was soll man noch groß über Alfred Hitchcock verlieren? Selbst Leute, die mit Filmen so gar nichts am Hut haben, kennen seinen Namen und die Filmwelt als solche liegt ihm sowieso zu Füßen. In mehr als 50 Jahren schuf er zahllose zeitlose Klassiker, die heutige Filmemacher nachhaltig geprägt haben und doch erhielt er zu Lebzeiten für sein Schaffen nie einen Oscar aber damit ist er ja in berühmter Gesellschaft. Als Meister der Suspense wird er oftmals gehandelt, doch mit dieser Paraphrase wird man seinem Talent bei weitem nicht gerecht, besaß Hitchcock doch einen ausgeprägten Sinn für Humor, welcher sich selbst in jenen Filmen widerspiegelte, in denen das Blut der Zuschauer vor Schaudern gefrof. Ein schönes Beispiel für seine Wandlungsfähigkeit ist sicherlich To Catch a Thief.

In diesem 1955 veröffentlichten Film, verschlägt es den Zuschauer an Frankreich Sonnenküste Côte d’Azur, wo ein meisterhafter Juwelendieb die High Society in Atem hält. Der Verdacht fällt schnell auf John Robie (Cary Grant), ehemals ebenfalls berüchtigter Langfinger, der jetzt seinen Lebensabend genießt, von der Polizei aber nicht in Ruhe gelassen wird. Deshalb entschließt er sich, den Nachahmer auf eigene Faust zu schnappen, um so seine Unschuld zu beweisen. Robie wendet sich also an den Versicherungsagenten H.H. Hughson (John Williams), um von diesem eine Liste seiner reichen Klienten zu erhalten. Dort wird u.a. auch das Mutter-Tochter-Gespann der Familie Stevens aufgeführt, an deren Fersen sich Robie heftet und schon bald anbandelt. Doch die Tochter, Francie (Grace Kelly), scheint ein ganz eigenes Spiel mit Robie zu spielen und am Ende kommt sowieso immer alles anders, als man eingangs noch geplant hat.


Was braucht es eigentlich mehr als eine wundervolle Location und zwei bildhübsche Schauspieler, um das Publikum zu begeistern? Vor dem Panorama der azurblauen Küste laufen hier Grant und Kelly zur Höchstform auf und spielen sich in die Herzen der Zuschauer. Dabei verkommt der Plot fast zur Nebensache und fürwahr ist die Geschichte vielleicht nicht ganz so ausgefuchst wie in anderen Hitchcock-Filmen, verrichtet aber trotzdem vorzügliche Dienste und wartet auf der einen Seite mit tollen Screwball-Elementen und pfiffigen Dialogen auf, um auf der anderen Seite ein wenig Suspense und Action zu bieten. Die Kombination dieser Zutaten macht die unbeschwerte Leichtigkeit des Films aus und über allem thront die Hand des Meisters. Allein der Wechsel von den Opening Credits zum Film an sich ist ein Geniestreich und ein Beweis für Hitchcocks ausgeprägten Humorsinn. Auch in technischer Hinsicht lies man sich nicht lumpen, mietete einen Helikopter, um so die spektakuläre Verfolgungsjagd im Hinterland zu ziehen. Doch all diese Elemente werden von dem Zusammenspiel der Protagonisten überstrahlt: Cary Grant mit seiner schlichten Eleganz und ihm gegenüber die hinreißende Grace Kelly. Zusammen brillieren sie in wunderbar unterhaltsamen Szenen und geben sich genial doppeldeutigen Dialogen hin, die der amerikanischen Zensurbehörde so manch Schweißperle auf die Stirn zauberte. Und als I-Tüpfelchen spielt das Alles vor diesem Panorama. Wie schon gesagt. Was will man mehr für einen vergnüglichen Filmabend? 08/10

Sonntag, Oktober 25, 2009

Charlie Chan in London


Mitte der 20er Jahre wurde in den USA eine Figur geboren, die in den folgenden Jahren und Jahrzehnten in mehr als 50 Fällen auf der Leinwand zu sehen war und sicherlich mit dazu beigetragen hat, dass das Image der Asiaten zu jener Zeit ein wenig aufpoliert wurde. Nichtsdestotrotz gibt es Stimmen, die die Charlie Chan-Filme kritisch auffassen, denn anstatt eines asiatischen Schauspielers, erlangte der Schwede Warner Oland in der Rolle des chinesischen Detektivs den Status einer Persönlichkeit - zu dieser Zeit übrigens nicht unüblich, dass weiße Schauspieler asiatische Titelrollen gespielt haben. Des Weiteren gibt es auch eine kontroverse, inwiefern die Darstellung des Charakters als eindimensional und stereotyp zu werten sei. Fakt ist jedoch, dass durch die Figur des Charlie Chans das Bild der Asiaten im amerikanischen Film insofern verändert wurde, als dass sie nicht mehr nur als mysteriöse Gestalten herhalten mussten, die meist als bedrohliche Bösewichter auf der Leinwand zu sehen sein, sondern auch als überaus intelligente, gütige und ehrenhafte Menschen.

Charlie Chan in London, der 1934 von Fox produziert wurde, gilt dabei als erster noch existenter Film der Reihe - alle vorherigen Verfilmungen gelten als verloren - und verschlägt den sympathischen Detektiv, wie man ja fast vermuten kann, nach London. Dort wird er von Pamela Gray gebeten, den Fall ihres Bruders noch einmal zu untersuchen, der wegen Mordes verurteilt wurde und in nunmehr drei Tagen gehängt werden soll. Nach kurzer Bedenkzeit willigt Chan ein und fährt zum Ort des Verbrechens: einem großen Herrenhaus auf dem Lande, wo sich auch noch alle Zeugen des Tatabends befinden. Chans Ermittlungen stoßen schnell auf Widersprüche und wühlen viel Staub auf, sodass auch der eigentliche Mörder noch einmal aktiv wird, während Chan ihm langsam eine Falle stellt.

Krimifans werden an diesem Film und auch an der ganzen Serie sicherlich ihre Freude haben, denn hier wird das klassische Krimieinmaleins durch die Figur des Chans gekonnt verfeinert, der aufgrund seiner Höflichkeit und Unscheinbarkeit schnell unterschätzt wird, während er im Hintergrund seinen Ermittlungen nachgeht und dabei nicht nur mit Methoden aufwartet, die der feinen Gesellschaft gänzlich unbekannt sind, sondern auch der britischen Polizei, die sich fleißig Notizen macht. Dabei bewegt sich der Film meist auf dem passenden Level zwischen Suspense und Rätselraten auf der einen Seite und auflockernden Szenen und leichtem Humor auf der anderen Seite. Letzteres natürlich oft aufgrund der aufeinanderprallenden Kulturen und, das kann man dem Film nicht ankreiden, nicht auf Kosten der Person des Chans. Keine Sorge also vor flachen r/l-Gags, wenngleich Chan natürlich mit einem gewissen Akzent ausgestattet ist, der aber nicht auf lustig getrimmt ist. Am Ende kommt jedenfalls ein toller Krimi bei raus, der Lust auf die gesamte Filmserie macht und wenn man mal die Chance hat, den Film zu sehen, sollte man sie ruhig ergreifen. 7,5/10


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Sonntag, Oktober 18, 2009

Der Wachsblumenstrauß


Wer kennt sie nicht, diese ältere britische Dame, Miss Marple genannt, die nicht nur den Verbrechern in ihrer Umgebung das Fürchten lehrt, sondern auch die örtliche Polizei, allen voran Inspektor Craddock, angesichts ihrer Dickköpfigkeit verzweifeln lässt. Murder at the Gallop ist dabei die zweite Marple-Verfilmung mit Margaret Rutherford in der Hauptrolle, basiert aber, wie auch der dritte Film der Reihe, auf einem Hercule-Poirot-Fall, was aber der allgemeinen Vergnügtheit nicht abträglich ist.

Die Story von Der Wachsblumenstrauß, so der etwas in die Irre führende deutsche Titel, ist rasch erklärt. Miss Marple (Margaret Rutherford) und ihr Freund, der Bibliothekar Mr. Stringer (Stringer Davis) sind gerade dabei, Spenden zu sammeln und kommen auch an dem Herrenhaus des zurückgezogen lebenden Mr. Enderby vorbei. Da die Türe offen steht, riskieren sie einen Blick. Just in diesem Moment stürzt der alte Herr die Treppe hinunter und stirbt vor ihren Augen. Nach kurzer Tatortbesichtigung glaubt Marple nicht an einen natürlichen Tod, kommen ihr die Umstände doch aus einem ihrer Kriminalromane bekannt vor und beginnt, gegen den Rat von Inspektor Craddock, eigene Ermittlungen anzustellen. Schnell hat sie die Erben Enderbys unter Verdacht, bekommt doch jeder von ihnen eine beträchtliche Summe vermacht und als dann auch noch die Schwester Enderbys, eine aus der Erbengemeinschaft, ermordet aufgefunden wird, scheint der Fall eindeutig und Marple quartiert sich in einem Reithotel ein, dessen Eigentümer einer der Hinterbliebenen ist und wo sich aufgrund des ersten Todesfalles zur Zeit alle Erbberechtigten und damit die Verdächtigen aufhalten...

Marple ist Kult und so kommt es auch, dass die Filme in absoluter Regelmäßigkeit auf den 3. Programmen in Dauerrotation laufen, denn trotz des beträchtlichen Alters haben sie wenig von ihrem Charme eingebüßt. Das liegt weniger an den Kriminalfällen, die natürlich recht durchdacht, gut gemacht und auch spannend sind - Krimifans freuen sich natürlich über das Rätselraten, wer denn nun der Täter sein mag - aber meist werden die Filme, kennt man die Lösung erst einmal, uninteressant und geraten schnell in Vergessenheit. Bei Marple ist dies anders, denn hier bleibt vor allem Margaret Rutherford in Erinnerung. Es ist diese schrullig sympathische Art, die sie der Figur der Marple verleiht, die sich im Gedächtnis festbrennt. Mit viel Witz, Geschick und Ausdauer bringt diese vermeintlich unscheinbare, gar plump wirkende Person, die Verbrecher hinter Schloss und Riegel und spielt sich in die Herzen des Publikums. Deshalb schalten die Leute auch nach 40 Jahren immer noch ein, denn hier bekommt man nahezu perfekte Unterhaltung geboten, die 90% des restlichen "Primetime"-Programms locker in die Tasche steckt. Sicherlich nicht der beste der vier Marple-Filme aber trotzdem einfach toll: 08/10

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Montag, Juni 29, 2009

Point Blank


Wir bewegen uns etwas weiter auf der Zeitleiste voran und setzen nun mit einem interessanten aber durchaus auch ungewöhnlichen Film fort. Die Rede ist von John Boormans 1967er Point Blank mit Lee Marvin in der Hauptrolle. Das prägende an diesem Film ist sicherlich nicht die Story, wenngleich diese auch mit einem Paukenschlag beginnt, sondern viel eher die Art der Inszenierung, die auch aus heutiger Sicht noch durchaus ungewohnt, man könnte sogar sagen, merkwürdig zu sein scheint. Die Geschichte dreht sich dabei um Walker (Lee Marvin), einem Gangster, so zumindest der Eindruck den wir erhalten, wenn viel mehr als seinen Nachnamen werden wir eh nicht über ihn erfahren, der zusammen mit einem alten Bekannten, Reese (John Vernon) und seiner Frau Lynne ein krummes Ding dreht, das aber am Ende ordentlich schiefläuft. Walker wird von Reese erschossen und dieser haut zusammen mit Walkers Frau ab. Wenige Filmminuten später stellt sich aber heraus, dass Walker nicht tödlich verwundet wurde und nun sinnt dieser auf Rache, unter anderem auch, weil Reese ihn um seinen Teil der Beute, $ 93,000, gebracht hat. Unterstützt wird Walker von einem mysteriösen Unbekannten, der gleich die ganze Organisation, zu der Reese mittlerweile gehört, ausgeliefert bekommen will.

Ja, die Story ist zu Beginn kryptisch und liest sich nicht nur so. Was wirklich geschehen ist, offenbart sich dem Zuschauer erst Stück für Stück und auch das letzte Puzzlestück wird erst ganz am Ende offenbart aber darauf habe ich gar nicht angespielt, als ich davon gesprochen habe, dass der Film bisweilen ungewöhnlich ist. Letzteres liegt daran, und das merkt man schon in den ersten Minuten, denn Flashbacks und auch Parallelmontagen gehören zu Boormans bevorzugten Stilmittel. Immer wieder springt er in den Zeiten umher und für den Zuschauer ist es teilweise schwer, sich zurechtzufinden. Zumal manchmal auch Realität und Fantasie zu verwischen scheinen und man somit in die Gedanken- und Gefühlswelt Walkers eintaucht. Dazu kommt des Weiteren, dass Walker kein gesprächiger Mensch ist und in dem Film zum Teil extrem viel Stille herrscht, die Protagonisten einfach nur anwesend sind, nichts sagen und sich im Grunde auch nicht bewegen und trotzdem versteht man die Dinge, die gerade vor einem passieren. Man fühlt sich bisweilen an Westernhelden erinnert und Walker stammt auch aus einer Zeit, wo man noch die Colts hat sprechen lassen. Gleichzeitig ist aber auch der Einfluß des Film Noirs nicht zu übersehen, schwebt doch über dem ganzen Film dieser Mantel des Nihilismus und die Story und Figuren hätten genauso gut aus einem Film der 40er/50er Jahre stammen können. Dazu kommt auch der Score von Johnny Mandel der diese Stimmung noch weiter trägt.

Dass der Film aber aus den 60ern stammt, sieht man dann eben doch daran, wie hier mit der Inszenierung gespielt wird und die Szene, die mir von der Machart am besten gefallen hat, ist sicherliche jene schon kurz nach Beginn, als Walker durch die Unterführung läuft und man daraufhin nur seine Schritte hört und eine tolle Montage beginnt, in der gezeigt wird, wie sich Walker auf den Weg zu seiner Frau macht und man diese dabei in Parallelmontage hört und je näher Walker seinem Ziel kommt, desto lauter werden die Schritte und dies kulminiert in einer doch brachialen Sequenz, die mir echt in Erinnerung bleiben wird. Gleichzeitig unterstreicht diese aber auch den Charackter Walkers, der hier wirklich ausgezeichnet von Lee Marvin verkörpert wird, dessen ganze Art einfach in die Rolle passt und dieser die Glaubwürdigkeit verpasst, die es braucht, damit das Gezeigte nicht unfreiwillig komisch erscheint. Toller, intensiver Mix aus Action, Thriller und Drama. Würde mich aktuell zu 09/10 hinreißen lassen.

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Donnerstag, Mai 07, 2009

Mörder ahoi!


Im letzten Teil der beliebten Miss Marple-Serie mit Margaret Rutherford in der Hauptrolle verschlägt es die quirlige Hobbydetektivin auf hohe See, wenngleich das Schiff die meiste Zeit vor Anker liegt, um dort gleich mehrere Mordfälle aufzuklären, die irgendwie miteinander verbunden sind. Dabei beginnt die Geschichte an Land, genauer gesagt mit einer Stiftungssitzung - jene Institution besitzt ein altes Marineschiff und stellt dies zur Verfügung, um dort kriminell gewordene Jugendliche wieder auf den Pfad der Tugend zu führen - an der auch Miss Marple beiwohnt. Wie es das Schicksal so will, verstirbt jedoch einer der Teilnehmer urplötzlich und das weckt den Spürsinn der alten Dame, eben auch, weil die Person eigentlich nocht etwas Wichtiges sagen wollte. Mit Hilfe ihres Freundes Mr. Stringer kommt Marple schnell hinter die Todesursache, wurde der arme Mensch doch mit vergiftetem Schnupftabak ins Jenseits befördert, doch die Polizei und Oberinspektor Craddock glauben ihr natürlich nicht. Kurzerhand übernimmt sie das Ruder, quartiert sich unter Protest des Kapitäns auf dem Schulschiff ein und versetzt die Besatzung mit ihrer eigenwilligen Art in Angst und Schrecken und so bleibt es nicht bei dem einen Mord und auch für Miss Marple wird die Luft dünner. Never change a winning team ist die Devise jener britischen Produktionen, in der man es immer wieder mit alten Bekannten zu tun hat und deren Eigenarten schnell liebgewinnt. Natürlich ist der Star Miss Marple, diese dickköpfige Dame reiferen Alters, die es jedoch immer wieder mit List und Verstand schafft, auch die kniffligsten Kriminalfälle zu lösen. Dabei funktionieren die Filme nach dem typischen Whodunit-Muster und wir, die Zuschauer, rätseln mit, wer am Ende der Mörder war. Dabei gelingt es den Machern auch im vierten Teil, eine interessante Geschichte zu inszenieren, die zwar gar kein waschechter Marple-Krimi in der Vorlage ist aber trotzdem wie einer auf die Leinwand gebannt wurde. Herausstechend ist sicherlich der stets leicht ironische Umgang mit der Thematik, was durch die "speziellen" Charaktere auch unterstrichen wird. Auch Running Gags wie jene mit dem Mediziner, der jedes Mal in Eile ist und noch zu einem Baby müsse, heitern die Stimmung auf und machen die Geschichte allgemein unterhaltsamer. Zumal die Story aufgrund des Spielortes, eben jenem alten Segelschiff, auch stark vom Setting lebt und hier ist es die Enge des Schoners, die der Besatzung allerlei Kompromisse abringt und das Leben wird nicht leichter, wenn eine Miss Marple nebenher noch auf ihre eigene Art und Weise ermittelt. Für manch einen Zuschauer mag das Ganze antiquiert wirken, besonders in Zeiten, wo man in Sendungen wie CSI mit allerlei Eyecandy verwöhnt wird. Für mich ist Mörder ahoi! aber klassische, charmante und noch immer bestens funktionierende Krimikost, die hier zwar nicht den Höhepunkt der Reihe markiert aber trotzdem im Oberhaus mitspielt: 08/10.

Dienstag, März 03, 2009

Der rosarote Panther (1963)

Fast jeder Schauspieler hat eine Rolle in seiner Karriere gehabt, mit die er irgendwie verwachsen gewesen schien und mit der er immer wieder in Verbindung gebracht wird. Bei Peter Sellers dürfte es jene des tollpatschigen Inspektors Jacques Clouseau gewesen sein, die 1963 in Blake Edwards Der rosarote Panther das Licht der Welt erblickte und diverse Fortsetzungen nach sich zog, die teils mit, teils ohne Sellers in der Hauptrolle inszeniert wurden. Dabei ist die Figur des Jacques Clouseau in diesem ersten Film noch gar nicht so in den Mittelpunkt gerückt, sondern dem Zuschauer offenbart sich vielmehr ein bunter Darsteller-Mix, bestehend u.a. aus David Niven und Claudia Cardinale, die hier dem berühmten rosaroten Panther - einem überaus wertvollen Diamanten - nachjagen. Dabei spielt der Film über weite Strecken, sieht man einmal von der gekonnt montierten Exposition ab, im italienischen Wintersportort Cortina D'Ampezzo, wo die Schickeria Europas ihre Ferien verbringt. Schwer behangen, sind die oberen Eintausend das Lieblingsziel des Phantoms alias Sir Charles Lytton(David Niven), einem gewieften Einbrecher, der seit Jahren nicht zu fassen ist. Kein Wunder also, dass er es auf den rosaroten Panther abgesehen hat, der im Besitz der schönen Prinzessin Dala (Claudia Cardinale) ist. Die Polizei indes, schickt ihrerseits den besten Mann, nämlich Clouseau, der zusammen mit seiner Frau im gleichen Hotel wie das Phantom haust. Dumm nur, dass ausgerechnet Clouseaus Frau die mysteriöse Partnerin des Phantoms ist, und der arme Kerl von allem keine Ahnung hat. Als dann auch noch der Neffe Lyttons aus Amerika auftaucht, geht alles drunter und drüber und endet buchstäblich mit einem großen Feuerwerk. Wie man unschwer erkennen kann, ist der Plot wie geschaffen für Situationskomik und Elementer der Verwechslungskomödie und Edwards weiß genau, wie er das Maximum aus dieser Geschichte herausholen kann. Während der Film zu Beginn noch etwas gemächlich erscheint, hier und dort etwas aufgelockert durch ein paar leichte Slapstickeinlagen Sellers, dreht er so richtig auf, wenn alle Personen im Hotel eingetroffen sind, denn ab dann wird das komplette Potential des Plots ausgeschöpft und die herrliche Versteckszene, als sowohl Lytton und dessen Neffe Clouseaus Frau verführen wollen und von Clouseau gestört werden und nun jeder Zentimeter im Raum ausgenutzt wird, um a) nicht mit dem Onkel zusammenzutreffen und b) nicht mit Clouseau zu kollidieren sei hier als ausgezeichnetes Beispiel erwähnt, um Edwards und Sellers Humor zu verdeutlichen. Hier wird auf Timing und die Umgebung des Produktionsdesigns gesetzt, anstatt auf zotige Witze oder Gags unter der Gürtellinie und obwohl Clouseau als tollpatschig dargestellt wird, behält er zu jeder Zeit seine Würde und er wird nicht als dumm dargestellt, wie es besonders im Remake der Fall zu sein scheint. Spricht man vom Pink Panther, dann muss man natürlich auch den einmaligen Score erwähnen, der mit seiner unverkennbaren Melodie zu einem wahren Klassiker geworden ist. Verantwortlich für jene Klänge ist Henry Mancini. Addiert man nun all jene Versatzstücke, kommt man zu dem Ergebnis, dass Blade Edwards mit Der rosarote Panther ein zeitloser Genreklassiker gelungen ist, der auch noch nach über 45 Jahren nichts an seinem Reiz verloren hat: 08/10.

Sonntag, Februar 15, 2009

Die Totenliste

Der eigentliche Clou in Hustons Die Totenliste ist ja, einen Cast aufzuweisen, wie man ihn nur selten in einem Film gesehen hat: Mitchum, Sinatra, Curtis, Lancaster, Douglas und Scott und doch bemerkt man ihn größtenteils eigentlich nicht wirklich. Hierzu später ein wenig mehr. Was sonst bleibt, ist ein klassischer Krimi, der im schönen England angesiedelt ist und sich rund um eine mysteriöse Liste dreht, denn jeder, der auf dieser namentlich erfasst ist, ist Opfer eines tragischen Unfalls geworden. Herausgefunden hat dies der Journalist Adrian Messenger, der sich seines Verdachts jedoch nicht ganz sicher ist und so seinen Freund und ehemaligen Offizier Anthony Gethryn (George C. Scott) bittet, sich einmal umzuhören, um so die Vermutungen Messengers zu bestätigen. Doch bevor dieser Gewissheit hat, verunglückt seine Maschine auf einem Transatlantikflug. Bis auf einen Passagier finden alle Mitreisenden den Tod. Nun glaubt auch Gethryn nicht mehr an Zufälle und wird, nachdem er seine Zweifel lautstark der Polizei vorgetragen hat, in die Ermittlungen eingespannt. Was ein glücklicher Zufall, dass Gethryn den einzigen Überlebenden kennt, wenn auch nicht persönlich. Es ist ein französischer Widerstandskämpfer, mit dem Gethryn im Zweiten Weltkrieg über Funk verbunden war. Gemeinsam versuchen sie, den Fall zu rekapitulieren und eine Verbindung zwischen den Männern auf Adrians Liste herzustellen. Doch da der Mörder ein Meister der Maskerade ist, scheint er immer einen Schritt voraus zu sein. Man merkt sicherlich schon an der Beschreibung des Plots, dass die Geschichte auf einem wackligen Fundament steht und das rächt sich dann spätestens bei der Auflösung des Plots, wenn man beginnt, über das Gesehene nachzudenken. Huston war sich dessen wohl auch bewusst und so hat er versucht, die Geschichte immerhin so spannend wie möglich zu inszenieren, was ihm prinzipiell auch gelungen ist. Klassisch wird den einzelnen Spuren nachgegangen, der Zuschauer darf miträtseln und ein Spannungsmoment bleibt über die gesamte Laufzeit bestehen, sodass die Schnitzer im Plot nicht so sehr ins Auge stechen. Um diese Makel zu übertünchen hilft auch die Liste des oben genannten Casts, denn man griff hier auf einen Trick zurück und hat die Stars in Maskerade auftreten lassen, wodurch der Zuschauer doppelt abgelenkt ist. Er versucht nicht nur, den Ermittlungen rund um den mysteriösen Mörder zu folgen, sondern auch die Filmstars zu enttarnen, die hier auftreten. Übrigens kein Grund zu Verzweiflung, falls man sie im Film nicht enttarnen kann. Am Ende wird Alles aufgelöst. Übrigens dürfte auch die Maskerade ein Grund dafür gewesen sein, dass man hier auf das Schwarz/Weiß-Material zurückgriff, damit es nicht so stark ins Auge fällt. Das Fazit fällt dann auch versöhnlich aus. Sicherlich kann Huston hier bei weitem nicht an die Klasse anderer Produktionen anschließen aber da Die Totenliste spannend und unterhaltsam inszeniert wurde, den Stars-Suchbonus hat und mit George C. Scott und all den anderen starke Schauspieler bietet, springen am Ende 6,5/10 Punkte raus.