Montag, September 27, 2010

Podcast #15 (The Town)


Die neuste Episode des Filmabend.info-Podcasts ist online und diesmal widmen wir uns vier aktuellen Trailern: Hereafter, The Tourist, The Fighter und The King's Speech. Darüber hinaus tauschen wir unsere Gedanken zu Ben Afflecks neuem Film The Town aus.

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Der Todesrächer von Soho

Bevor Horst "Derrick" Tappert in seine Paraderolle als Fernsehinspektor schlüpfen durfte, wurde er auch kurzfristig durch die deutschen Lichtspielhäuser gereicht, wobei speziell seine Rollenauswahl während der 70er Jahre so einige richtige Heuler beinhaltet. Gleich dreimal startete er zusammen mit dem berüchtigten spanischen Regisseur Jesus "Jess" Franco einen Angriff auf den guten Geschmack.Eine dieser Knüller-Kooperationen ist Der Todesrächer von Soho, basierend auf einer Story von Bryan Edgar Wallace. Während Vatis Stories zehn Jahre zuvor oftmals noch im stimmigen Schwarzweiß auf die Leinwand gebannt wurden, griff man nun auf europäische Regisseure zurück und brachte Farbe ins Spiel, um das Gefühl der 70er abzulichten und den Nerv der Zeit zu treffen. Per se kein Problem, haben doch die Italiener bewiesen, wie man ähnliche Stories schick verpackt als "Giallo" präsentieren kann. Auch dort ist die Hauptgeschichte meist nicht der große Wurf, wenngleich man beim Todesrächer komplett ins Klo gegriffen hat. Dreht sich anfangs noch alles um einen mysteriösen Messermörder, der seinen Opfern freundlicherweise vorher den Koffer als Erkennungszeichen packt, schwenkt man später zu einer Megadroge, verschollenen FBI-Undercoveragenten und anderem Gedöns, um dann kurz vor Toreschluss die Stories doch noch zu vereinen. Das klingt nicht nur holprig, es ist auch so und trotz 75 Minuten Laufzeit zieht sich die Chose auch ordentlich. Richtig knuffig ist aber die stümperhafte Inszenierung. Irgendwo in der spanischen Pampa gedreht, verkauft man das Ganze als einen in London spielenden Film und aus der britischen Metropole stammen höchstens die Archivaufnahmen zu Beginn.
Sonst beschränkt man sich fast nur auf Innenaufnahmen, die auch nur in 3-4 Sets spielen, welche sich abwechseln. Streut man dann echte Außenaufnahmen ein, denkt man meist, man müsse die Optik neu justieren, so eklig ist der Weichzeichner und so ganz kann man den Eindruck nicht verlieren, die Linse war einfach nur dreckig. Tag-Nacht-Ungleiche, südeuropäische Vegetation im vermeintlichen England und Autos, die stur rechts fahren, komplettieren den Schenkelklopfercharakter. Dazu darf Franco nicht einmal in den Sleazebottich greifen und damit es trotzdem etwas fürs Auge gibt, spielt er mit allerlei unkonventionellen Kameraeinstellungen, die dem Ganzen einen prätentiösen Touch geben sollen und fürwahr, manch Außeneinstellung sieht dank Extremweichzeichner und vollkommener Statistenarmut surreal aus. Das ändert aber nichts an der Tatsache, dass der Film vollkommen Meschugge ist und so vor allem Trash- und extreme EuroKult-Fans anspricht. Der Rest stößt dürfte an seine Grenzen stoßen: 1,5/10. Insofern sollte man schon Angst vor dem Todesrächer aus Soho haben.

Töte alle und kehr allein zurück


Onkel Castellari gelangte ja jüngst zu später Berühmtheit, als Quentin Tarantino u.a. ihm mit seinem Inglourious Basterds eine Hommage kredenzte, auch wenn die Basterds mit den originalen Bastards nicht so viel gemein haben. Unbekannter sind da schon eher seine Ausflüge ins Westerngenre. Sieht man nämlich einmal von Keoma ab, dürften Filme wie Töte alle und kehr allein zurück nicht gerade zum Standardrepertoire der meisten Filmfreunde gehören. Letzteres ist dann aber auch nicht übermäßig verwunderlich, gehört Castellari sicherlich nicht zu den großen Westernexperten. Das Action-/Crimekino ist schon eher sein zu Hause und so ist dann auch jener Töte alle und kehr allein zurück mehr ein Actionfilm im Westerngewand, dessen Story aber auch in fast jedes andere Genre hätte transportiert werden können. Angeheuert von den Südstaaten, soll eine kleine Gruppe Söldner einen Stützpunkt der Nordstaaten angreifen, um das dort gelagerte Gold zu klauen. Angeführt wird der Trupp von Clyde Mac Kay (Chuck Connors), der einige Spezialisten unter sich vereint hat, u.a. den Messerexperten Blade, den Mann fürs Grobe Bogard oder den schießwütigen Kid.nWas die Männer nicht wissen, Clyde und der Südstaaten Captain Lynch (Frank Wolff) haben abgemacht, dass diese jedoch nicht lebend von der Mission zurückkehren werden. Das Unternehmen verläuft nach Plan, bis die Männer nach erfolgreichem Diebstahl an einem Flußübergang festgenommen werden. Sie trauen ihren Augen nicht, als Lynch plötzlich in der Uniform der Nordstaaten vor ihnen steht. Nun beginnt ein weiteres, perfides Spiel um das gestohlene Gold. So reiht sich bei diesem Western auch eine Schlägerei an die nächste, eine Explosion folgt der anderen und Ruhe kehrt selten ein, Westernatmosphäre aber leider auch nicht. Auch die Story wirkt bei näherer Betrachtung sehr fragwürdig - wahrscheinlich legt der Film deshalb ein hohes Tempo an, damit man gar nicht so sehr ins Grübeln kommt. Im Vergleich zu Castellaris späteren Werken sind diese Szenen zwar routiniert inszeniert aber bei weitem nicht so spektakulär wie man es aus seinen anderen Werken kennt. Darüber hinaus krankt der Film an seiner Besetzung. Während Frank Wolff ein bekanntes Gesicht des Italokinos war und seine Sache ganz ordentlich macht, wirkt speziell der Amerikaner Chuck Connors mit seinem Dauergrinsen fehl am Platze und erinnert irgendwie an Paul Hogan aus Crocodile Dundee. Zwar ist der Film auf seine Art noch immer unterhaltsam aber einen bleibenden Eindruck hinterlässt Töte alle und kehr allein zurück nicht: 5,5/10.

Sonntag, September 05, 2010

Podcast (The Expendables, Centurion)


Omahabitch und ich haben heute die 14. Folge des Filmabend.info-Podcasts aufgenommen. Neben einer kurzen Einschätzung zu den Trailern von 127 Hours und Black Swan gibt es auch jeweils eine kurze mündliche Abhandlung zu Centurion (von omahabitch) und The Expendables (von mir). Wünsche viel Spaß. Kommentare können auch gerne hier hinterlassen werden.

Zum Podcast: Klick mich!

Freitag, September 03, 2010

Bewegliche Ziele

Die interessantesten Geschichten schreibt noch immer das Leben. Unter der Prämisse, Boris Karloff schulde ihm noch zwei Drehtage und er müsse Stockfootage aus The Terror - Schloss des Schreckens (1963) benutzen, genehmigte der legendäre Roger Corman Peter Bogdanovichs ersten bekannten und von der Kritik geschätzten Kinofilm: Targets bzw. Bewegliche Ziele – so der deutsche Titel.
Anstatt jedoch aus dem Stockfootage und eigenem Material ebenfalls in Richtung Gothic-Horror zu gehen, entschied sich Bogdanovich, im Stile des aufblühenden New Hollywood-Kinos, den Horror der Neuzeit auf die Leinwand zu bannen und gleichzeitig schuf er einen letzten Genrehöhepunkt für den Altmeister Boris Karloff.

Die Geschichte erstreckt sich dabei in zwei zunächst parallelen Handlungssträngen. Auf der einen Seite verfolgt der Zuschauer den gealterten Horrorstar Byron Orlok (Boris Karloff), der, sichtlich unzufrieden mit seinem letzten Film, nach einem Testscreening – das Material von The Terror wird hier teilweise eingesetzt – sein Karriereende bekannt gibt. Für seinen Regisseur Sammy Michaels (Peter Bogdanovich) ist das ein Schock, hat er doch die perfekte Rolle für Orlok in seinem nächsten Film, der ganz anders sein soll, als die bisherigen Produktionen mit ihm. Doch Orlok lässt sich nicht umstimmen, auch wenn Michaels ihn immer wieder bedrängt. Orlok ist sich sicher, dass die (Schauspiel)Zeit für ihn abgelaufen sei und die Menschen Angst vor ganz anderen Dingen hätten als noch vor 30-40 Jahren. Nur zu einem letzten Auftritt lässt er sich überreden: die Vorstellung seines neusten Films in einem örtlichen Autokino.
Nahezu gleichzeitig beobachtet man Bobby Thompson (Tim O’Kelly), Typ Nachbarn von nebenan, wie er in einem Waffengeschäft ein Gewehr kauft. Anfangs nichts Ungewöhnliches, doch ein Blick in seinen Kofferraum verheißt nichts Gutes: ein ganzes Waffenarsenal führt er mit sich. Zusammen mit seiner Frau und seinen Eltern wohnt er in einem Einfamilienhaus. Der Zuschauer merkt, dass es in ihm brodelt, und auch Bobby bemerkt seine Entwicklung, doch zu einem Gespräch mit seiner Frau kommt es nicht mehr, da sie während des täglichen Trotts scheinbar keine Zeit für eine Aussprache haben. So folgt der Ausbruch des Vulkans wenige Tage später und Bobby erschießt erst seine Frau, dann seine Mutter und zieht, bis an die Zähne bewaffnet los, um von Industriesilos vorbeifahrende Autos auf dem Highway zu beschießen. Als die Polizei dies bemerkt, flüchtet er und sucht sich ein neues Ziel, indem er sich hinter der Leinwand des nächsten Autokinos verbarrikadiert…

Nun braucht man sicherlich kein Filmstudium um zu erahnen, dass es schlussendlich zu einem Aufeinandertreffen zwischen Byron und Bobby kommen muss, dem modernen Horror und der „antiken“ Variante, doch bevor es soweit ist, bekommt der Zuschauer erst einmal einen Einblick in das Leben der 60er, eine Zeit, die auch Byron nicht mehr zu verstehen scheint. Der Wandel in der Gesellschaft wird also anhand zweier Personen, Byron und Bobby, dargestellt. So ist vor allem die mangelnde Kommunikation der Menschen zu beobachten, die im Falle von Bobby zwar unter einem Haus leben, sich aber nur über Nichtigkeiten austauschen oder gemeinsam die Abende vor dem Fernseher verbringen, wenngleich Bobby seine Probleme gegenüber seiner Frau andeutet, die ihn aber zurückweist.
Byron hingegen ist es Leid, wie ein Relikt vergangener Tage in miserablen Produktionen angegafft zu werden – ein nicht zu übersehender Seitenhieb auf so manch filmischen Ausrutscher in Karloffs Karriere.

So ist der Film nicht nur von der Story her zweigeteilt, sondern auch von der Atmosphäre. Immer wenn Bobby zu sehen ist, macht sich ein Gefühl von Unbehagen breit, diese latente Gefahr, die Ruhe vor dem Sturm und man denkt, er könne jederzeit explodieren. Byrons Part wirkt dagegen viel gelöster, was auch an Sammys Charakter liegt, der ja versucht, Byron noch umzustimmen und so z.B. mit ihm einen Trinkabend in seinem Hotelzimmer veranstaltet, inkl. Kater und einem „schrecklichen Erwachen“. Hier zeigt Karloff auch ungeahnte komödiantische Talente. Deutlich merkt man auch den New Hollywood-Einschlag. Einerseits anhand der Thematik und andererseits an der Optik des Films. Besonders die Außenaufnahmen wurden hier im Guerilla-Stil ohne Genehmigungen gedreht und auch sonst wird bei der Inszenierung auf das Opulente der Spät 50er und 60er Jahre verzichtet und so gibt sich der Film passend zu seinem Thema recht nüchtern, was sich auch im Fehlen eines Score niederschlägt.

Mit Targets ist Bogdanovich jedenfalls ein überaus intelligenter und packender Film gelungen, der jedem Interessierten ans Herz gelegt werden kann: 08/10.

Mittwoch, September 01, 2010

Derailed - Terror im Zug


Die Tatsache, dass Jean-Claude Van Damme eine mögliche Rolle in The Expendables aufgrund des aus seiner Sicht schlechten Drehbuchs abgelehnt haben soll, erscheint angesichts dieses Machwerks in ganz anderem Licht. Rückblickend kann man natürlich argumentieren, er sei heutzutage cleverer bei der Rollenwahl und im Grunde ist ihm das auch zu raten, denn sein 2002er Derailed - Terror im Zug ist das Mieseste was ich von den ganzen alten Actionstars bisher gesehen habe. Das liegt dann auch weniger an der Story, denn die ist aus dem Ex-Sondersowiesoagent-rettet-die-Welt-Baukasten, sondern an der Inszenierung an sich. Wie man anhand des Titels ahnen kann, spielt der Film dann auch die meiste Zeit in einem Zug, wo der gute JCVD als Aufpasser für eine osteuropäische Profieinbrecherin agiert, die ein gestohlenes Gut aus der Slowakei nach Deutschland bringen soll. Guckt man sich den Film zu Ende an, fragt man sich zwar schon noch, was der Schwachsinn eigentlich sollte, da man es wesentlich einfacher hätte bekommen können aber der Knüller sind eindeutig die Effekte. Hier ist es in der Tat erstaunlich, wie man trotz nicht existentem Budget zwanghaft an den Effekten festgehalten hat. So bekommt man dann auch eine Mischung aus Märklin-Heimanlage und C64-CGI serviert, die an Lächerlichkeit kaum noch zu überbieten ist. Selbst simple Autoverfolgungsjagden werden bei Alarm für Cobra 11 besser dargestellt als in diesem Machwerk. In Kombination mit der flachen Story, samt dem kongenialen Killervirenkniff, der das Gezeigte noch unglaubwürdiger macht, den langweiligen Fights und den austauschbaren Schauspielschablonen entfaltet sich eine Melange des Grauens, bei der selbst die hartgesottensten B-Actionfans in Erklärungsnot geraten. Wenn sich ein Film die Minimalpunktzahl verdient hat, dann Derailed - Terror im Zug: 01/10.

Sonntag, August 29, 2010

Was ihr hier noch erwarten könnt...

... wieder einmal ist längere Zeit recht wenig in meinem Blog passiert, was unter anderem auch daran lag, dass ich zwei Wochen im Urlaub war, fernab des Internets. Aber auch sonst hat sich ein wenig getan. So hat der gute omahabitch den filmabend.info Blog wiederbelebt und diesmal soll die Geschichte auch langlebiger sein, sodass ich Artikel zu Filmnews und Trailern dort schreiben werde und nicht mehr hier. Auch werden die Podcasts wieder aufgenommen.

Die aktuelle Episode zu Inception könnt ihr z.B. hier finden: Klick mich!

Nichtsdestotrotz ist mir mein Blog doch ans Herz gewachsen, sodass ich den nicht einfach brachliegen lassen möchte. Insofern geht es zurück zu den Wurzeln und ich werde versuchen, zu jedem von mir gesehenen Film ein paar Zeilen zu hinterlassen. Die Klassikerreviews wird es auch weiterhin geben und ein Auge auf den US-Klassikermarkt werfe ich auch weiterhin.

Cheers
Frankie

The Expendables


Auch ich konnte mich nicht vom Kino fernhalten und habe mir Stallones aktuellen Kinofilm angesehen und ein paar Zeilen dazu verfasst, die ihr auf omahabichts filmabend.info Blog lesen könnt.

Zur Kritik

PS: Demnächst auch wieder mehr an dieser Stelle, wenngleich der Fokus etwas gewechselt ist.

Dienstag, Juli 27, 2010

Man-Thing

Der aktuelle Trend bei Comicverfilmungen ist recht simpel: groß, größer, Mega-Blockbuster am besten mit Franchisecharakter. Dass es auch kleiner geht beweist Man-Thing aus dem Jahr 2004, der, basierend auf einer Marvel-Figur, den Zuschauer in den Süden der USA entführt, wo böse Öl-Riesen indianische Heiligtümer besudeln - als erfahrener Filmfreund weiß man natürlich, dass dies ein mächtig großer Fehler ist. Doch bevor das/der/die Man-Thing erst einmal richtig losschlagen darf - die Eröffnungssequenz nicht mit eingerechnet -, wird noch hurtig der Protagonist eingeführt: der neue Sheriff in der Stadt, auch Kyle Williams (Matthew Le Nevez) genannt. Wie so üblich kommt er als Stadtkind aufs Land und wird von den Bewohnern des kleinen Örtchens kritisch beäugt und als er dann auch noch die Umweltaktivisten von Schist'schen Fördergelände verscheucht, hat er die Herzen einiger Bewohner im Sturm erobert. Natürlich ist der Kyle aber kein böser Cop, muss er doch noch das Herz der schönen Lehrerin und Kämpferin gegen das Öl, Teri (Rachael Taylor), erobern. Doch das eigentliche Problem lauert in den Sümpfen. Andauernd verschwinden Menschen, um wenig später stark entstümmelt und leblos aufzutauchen. Anfangs für Alligatorangriffe abgestempelt, kommt man bald indianischen Mythen auf die Spur. Klingt spannend? Ist es aber nicht wirklich, was vor allem an Gewöhnlichkeit der Umsetzung und der Story liegt. Man trifft hier an jeder Ecke auf Charaktere aus dem Klischeebaukasten: hirnlose Rednecks, böse Kapitalisten, die netten Umweltaktivisten etc. und so fällt es schon einmal schwer, sich mit den einzelnen Personen anzufreunden. Auch der allgemeine Monsterplot mag nicht so recht greifen. Zwar ist das Setting in den Sümpfen durchaus atmosphärisch aber auch hier wirkt der Rest wie aus der Retorte und die technischen Spielereien, wie Zeitraffung, Veränderung der Farben, wirken eher hilflos eingesetzt, als dass sie wirklich etwas zum Film beitragen. Dafür sieht das Monster für das eingesetzte Budget gar nicht übel aus und so manch Szene im dunklen Moor weiß zu gefallen, sodass Man-Thing am Ende noch partiell unterhaltsam ist aber sicherlich kein großes Publikum für sich gewinnen kann: 04/10.

Sonntag, Juli 25, 2010

Angriff der Riesenkralle

Tief in den Katakomben der großen Studios schlummer(te)n sie, die fast vergessenen „Perlen“ der diversen B-Movie-Abteilungen, deren Filme selten Preise gewannen oder groß im Rampenlicht standen, dafür aber oft das Rückgrat der Filmindustrie bildeten und als günstig produzierte Cash-Cows die berühmten Produktionen subventionierten. Einer der Herren dieser Einheiten war Sam Katzman, der als Produzent und Regisseur u.a. für Columbia lange Jahre im Dienst war. Während er mit Twist Around the Clock (1961) vielleicht seinen größten finanziellen Erfolg als Produzent feierte, war Katzman aber auch für einen heute berüchtigten Film verantwortlich: The Giant Claw (1957). Berüchtigt, weil er sich einen Namen als einer „der schlechtesten Filme aller Zeiten“ gemacht hat, was sicherlich übertrieben ist. Nichtsdestotrotz wandelt sich der von den Plakaten proklamierte Angriff auf die Nerven zu einem unfreiwilligen Angriff auf die Lachmuskeln und schnell ist es nachvollziehbar, warum dieser 50s Sci/Fi-Horror-Genremix eine breite Fangemeinde hat.

Schon der Beginn lässt aufhorchen, wenn ein bierernster Off-Kommentator erst die Fortschritte menschlicher Ingenieurkunst lobt, um dann wenig später auf die sog. Ruhe vor dem Sturm hinzuweisen. Während dieser Szenen lernt der Zuschauer auch die menschlichen Hauptakteure kennen, die gerade mit der Kalibrierung einer Radaranlage der USAF beschäftigt sind: der Elektronikexperte Mitch (Jeff Morrow) und seine hübsche Partnerin, die Mathematikerin Sally (Mara Corday). Das Unheil nimmt seinen Lauf, als Mitch bei einem Probeflug ein unbekanntes Flugobjekt sichtet – das geschulte Auge erkennt einen undefinierbaren Klumpen vorbeihuschen. Doch weder das Radar noch die alarmierten Abfangjäger können am Himmel etwas erkennen. Kein Wunder also, dass Mitch aufgrund des vermeintlichen Scherzes vor allem bei General Van Buskirk in Ungnade fällt. Als dann jedoch mehrere Flugzeuge vermisst werden und Mitch und Sally bei einem Flug zurück nach New York ebenfalls attackiert werden und abstürzen, nimmt das Militär die Sache etwas ernster, denn jedes Mal war nichts zu erkennen auf dem Radarschirm. Erst Aufklärungsbilder aus einem Wetterballon bringen des Rätsels Lösung: man hat es mit einem Vogel zu tun, der so groß wie ein Schlachtschiff ist. Alle Versuche, das gefederte Monster abzuschießen, schlagen zuerst fehl, da der Vogel from Outer Space einen Schutzschirm aus Antimaterie besitzt. Doch dann hat Mitch die rettende Idee…

… und der Zuschauer liegt zwischenzeitlich weinend auf dem Boden, den Bauch haltend aufgrund der Lachkrämpfe. Dabei hätte der Film durchaus ordentlich werden können – natürlich relativ gesehen angesichts der Geschichte – aber ein klammes Budget durchkreuzte diese Pläne. Dass es nämlich auch anders geht, hat Regisseur Fred F. Sears schon ein Jahr vorher bewiesen, wo er mit Earth vs. the Flying Saucers einen grundsoliden Genrebeitrag abgeliefert hat, inkl. der F/X des einzigartigen Ray Harryhausen. Jener war auch bei The Giant Claw im Gespräch, doch ohne Moos nix los und am Ende wurde nichts aus Stop Motion-Effekten und dafür gab es diese mexikanische Vogelmarionette, deren bizarres Aussehen – Irokesenschnitt, absurde Proportionen uvm. – Lachanfälle auslöst, sobald sie auf der Leinwand auftaucht. Letzteres dürften die Macher geahnt haben, deshalb muss man auch knapp eine halbe Stunde auf den Auftritt warten. Doch damit nicht genug, glänzt der Film weiterhin mit lächerlichen Rückprojektionsaufnahmen und exzessivem Einsatz von Stock Footage – u.a. auch aus Earth vs. the Flying Saucers und vielen weiteren ähnlich gelagerten Genrebeiträgen – sodass es zu atemberaubenden Kontinuitätspannen kommt, die die unfreiwillige Komik fördern. Kombiniert mit der Tatsache, dass Cast & Crew die Story an sich trocken und ernst vortragen – der Off-Kommentator gibt sich die größte Mühe – ist die Gaudi komplett. Dabei spielen Jeff Morrow und Mara Corday gar nicht so übel und speziell die Szenen, in denen sie sich Oneliner an den Kopf werfen dürfen, können überzeugen und bieten (gewollt) humoristische Züge. Davon bleibt aber wenig in Erinnerung, thront doch über Allem das mexikanische Antimaterie-Gummihühnchen und wenn man dann auch noch liest, dass weder die Plakatgrafiker noch die Schauspieler das „Monster“ vor der eigentlichen Premiere gesehen haben, bekommt man einen ganz guten Eindruck, wie in so manch B-Schmiede wohl gearbeitet wurde. Andererseits wäre der Film wohl komplett in der Anonymität der Masse verschwunden, wenn er nicht so wunderbar schlecht gemacht wäre. Also doch ein cleverer Schachzug von Sam Katzman und seinem Team? Rein objektiv betrachtet bleibt am Ende nur ein recht vernichtendes Urteil übrig und so bekommt dieses skurrile Marionettenkuddelmuddel noch knapp 3 Punkte, während er sich unter Trashgesichtspunkten sicherlich volle 10 Zähler gesichert hat.

Montag, Juli 19, 2010

Ivanhoe - Der schwarze Ritter

1820 veröffentlichte Sir Walter Scott seinen Roman Ivanhoe, der reale Geschehnisse und Fiktion mit einander verbindet und den Leser ins England des 12. Jhs. entführt, in die Zeit der Kreuzzüge und Richard Löwenherzs. Aufgrund seiner Popularität wurde das Werk zum ersten Mal im Jahre 1913 verfilmt, wenngleich Richard Thorpes 1952er Version mit Robert Taylor, Elizabeth Taylor und Joan Fontaine sicherlich die bekannteste Adaption sein dürfte und einen schönen Einstieg in Hollywoods Technicolor-Lümmelein bietet.

Wie man sich anhand des Titels denken kann, dreht sich die Geschichte um Sir Wilfred of Ivanhoe (Robert Taylor), der aus dem Heiligen Land zurückkehrt, um die Befreiung Richard Löwenherzs aus österreichischer Gefangenschaft zu organisieren. In England angekommen muss er sich jedoch vor den Normannen, den Verbündeten Prinz Johns, der für die Festnahme seines Bruders Richards in Österreich mit verantwortlich war, in Acht nehmen. Unterstützung erhofft sich Ivanhoe von seinem Vater "Cedric dem Sachsen", der seinen Sohn aber aufgrund der Teilnahme an Richards Kreuzzügen vom Hofe verbannt hat. Trotzdem führt er eine Gruppe normannischer Ritter, die auf der Suche nach einer Unterkunft sind, zum Hofe seines Vaters, um dort mit Hilfe seiner Liebe Rowena (Joan Fontaine) Cedric umzustimmen. Dies gelingt zunächst nicht. Dafür aber sucht auch der jüdische Geldverleiher Isaac von York in dieser Nacht Unterschlupf bei Cedric und als dieser im Schlaf überfallen wird, kann Ivanhoe die Räuber stellen und Isaac sicher nach Hause geleiten. Mit dem Versprechen, die Judenverfolgung nach Richards Rückkehr stoppen zu lassen, kann er die Zusage der jüdischen Gemeinde gewinnen bei der Auferbringung des Lösegelds zu helfen. Dank Isaacs Tochter Rebecca (Elizabeth Taylor), die schnell ihr Herz an Ivanhoe verloren hat und ihm Edelsteine für Pferd und Rüstung schenkt, kann dieser auch beim Ritterturnier von Ashby teilnehmen, um dort die Ehre der Angelsachsen zu verteidigen. So führt er unter den Augen Johns als Schwarzer Ritter gekleidet seine normannischen Gegner - jene, die er zu seinem Vater geführt hat - regelrecht vor, wird aber beim letzten Kampf verwundet und ins Haus von Isaac und Rebecca gebracht, um dort geheilt zu werden. John, der die Schmach nicht erträgt, lässt daraufhin alle Beteiligten festnehmen und einsperren. Doch nicht nur Ivanhoe kämpft gegen Johns Regime, sondern auch diverse Freischärler, die in den Wäldern rund um Sherwood Forest den Widerstand proben und schließlich Ivanhoe, Rowena, Rebecca und Co. zur Hilfe eilen...

Obwohl für die Adaption schon einige Handlungsstränge fallengelassen wurden, ist die Story, zumindest auf dem Papier, noch immer durchaus komplex und so soll der kurze Storyabriss auch reichen, um einen ersten Eindruck zu vermitteln. Im Film selbst ist es dann, abgesehen vom Anfang, wo man ein wenig unvorbereitet hineingeworfen wird, dann auch gut verständlich, wer hier mit wem was gemacht hat und sowieso und überhaupt. Der Weg ist also bereitet für Ritterspektakel, wie man es aus früher Kinderphantasie kennt. Regisseur Richard Thorpe hat den Film dabei routiniert inszeniert und da man in den USA wenig Burgen zur Verfügung hat, wurde auch stilecht in England gedreht, sodass das Technicolorpotential - hier übrigens noch in Vollbild - gut ausgeschöpft wird und man bei manch Szene echt am Zweifeln ist, ob das Bild real oder gemalt ist. Inhaltlich blieb man der Vorlage - wie schon erwähnt - halbwegs treu, sodass sich auf der einen Seite Dramatik, Spannung und Intrigen finden lassen, während jene Momente immer wieder durch "zünftige" Actionszenen unterbrochen werden - das Blockbusterkino der 50er Jahre eben. Getragen wird der Film dann von seinem charismatischen Hauptdarsteller Robert Taylor, der in seiner schwarzen Ritterrüstung die Herzen von Joan Fontaine und Elizabeth Taylor erobert - wer hätte in der Situation nicht mit ihm tauschen wollen? Untermalt wird das Ganze dann auch noch vom passend pompösen Score von Miklós Rózsa und zack, jeder verregnete Sonntag entwickelt sich zu einem Ritterspektakel. Filme jener Art dürften sicherlich ganze Generationen vor dem heimischen TV geprägt haben und bei Thorpes Ivanhoe ist es auch nachvollziehbar, denn technisch und inhaltlich gibt es hier nicht viel zu meckern und deshalb lautet mein Tipp: DVD einlegen und das Technicolorabenteuer kann beginnen: 7,5/10.
Ich empfehle übrigens vodkamartinis Kritik in der ofdb: Hier.

Montag, Juli 05, 2010

Ring frei für Stoker Thompson

Es ist 09.05pm in Paradise City als der Zuschauer zum ersten Mal auf den Helden des heutigen Abends trifft.

Die Zeitungsjungen verkünden draußen die wichtigsten Informationen zu den abendlichen Boxkämpfen, während Stoker Thompson (Robert Ryan), einer dieser neuzeitlichen Gladiatoren, noch in seinem Hotelzimmer gegenüber der Boxhalle wartet. Einen Kämpfer stellt man sich jedoch anders vor. Mit weit über 30 Jahren gehört er schon längst zum alten Eisen und seine katastrophale Kampfbilanz spricht Bände. Trotzdem geht Stoker noch immer diesem Sport nach, denn die Hoffnung, noch einmal zu siegen und vielleicht doch noch den Großen Sprung zu schaffen, hält ihm am Leben. Julie (Audrey Totter), seine Frau, kann es indes nicht mehr ertragen, wenn ihr Mann zusammengeschlagen wird und nach einem Kampf schwer gezeichnet nicht einmal mehr weiß, wer er ist und so schlägt sie auch zum ersten Mal die Bitte ihres Gatten aus, sich den Kampf anzuschauen.
Quasi zur gleichen Zeit manipuliert Stokers Manager Tiny den Kampf gegen Tiger Nelson und verspricht dem anderen Lager gegen eine kleine Gebühr, dass Stoker verlieren wird. Aufgrund der früheren Resultate ist man sich der Sache so sicher, dass man nicht einmal Stoker selbst einweiht und so sackt Tiny das Geld ganz allein ein.

72 Minuten später, um 10.17pm werden Film und Kampf beendet sein.

Bevor nun aber die letzten Bilder über die Leinwand flackern, nimmt uns Regisseur Robert Wise (The Haunting, West Side Story) mit auf eine Tour de Force, auf einen Ausflug, der den täglichen Kampf ums Überleben zeigt. Es ist der Ring, der hier allegorisch den Mittelpunkt der Geschichte bildet. Doch bevor Stoker die Boxhandschuhe überziehen darf, nimmt sich Wise viel Zeit, um die Spannung aufzubauen und die Menschen zu zeigen, die auf der jeweiligen Seite des Rings aktiv sind. Spätestens mit dem Betreten der Umkleidekabinen merkt dann auch der Letzte, dass wir es hier nicht mit dem Madison Square Garden zu tun haben. Es ist viel mehr eine dieser Boxhallen im Lande, die für viele Kämpfer einen Scheideweg darstellen. Nur für wenige, wie z.B. für Luther Hawkins – die Hauptattraktion des Kampfabends - , scheint der Weg nach oben zu weisen, während sich der Rest, Kämpfer wie eben auch Stoker, kontinuierlich auf dem absteigenden Ast befinden. Dem Boxzuschauer scheint es dafür weitestgehend egal zu sein, wer sich die Köpfe einschlägt und so wird das brave bürgerliche Gesicht auch mit dem Betreten der Halle abgelegt und man schreit nach Blut und Härte, während man mit dem anderen Ohr gerade ein Baseballspiel verfolgt oder sich den dritten Hot Dog einverleibt.

Was ist es, das den Menschen am Ende am Leben erhält? Für Stoker mag es Hoffnung sein aber nachdem er mitbekommen hat, dass der Kampf manipuliert wurde, sind es Stolz und Ehre, die ihn weiterkämpfen lassen und so schafft er das Unerwartete und schickt Tiger Nelson in der letzten Runde zu Boden.

The Set-up, das ist Film Noir pur. Dies schlägt sich nicht nur in der Story nieder sondern auch in der Ästhetik des Films. Wise, dessen filmische Ursprünge im Bereich des Filmschnitts liegen und der u.a. auch Citizen Kane auf seinem Cutterpult hatte, hat ein geniales Gespür für Räume und Montagen und in Kombination mit der Kamera Milton R. Krasners kreierte er einen unverkennbaren, genialen Look. So können die Boxszenen – Ryan war übrigens selbst Amateuerboxer – auch heute noch viele thematisch ähnlich gelagerte Filme in die Tasche stecken und der Einsatz von verschiedenen Kameras außerhalb des Rings zahlte sich aus. Nicht weniger grandios sind die Montagen, die mit Julies Stadtbummel einhergehen, was schlussendlich in dem eindrucksvollen Zerreißen der Eintrittskarte kulminiert. Ein Beispiel für Wises Gespür für Räume ist sicherlich die Szene kurz vor Ende, als Robert Ryan durch die menschenleere Halle rennt. Untermalt wird das ausgezeichnete Bild des Films durch die Schauspieleinlagen. Robert Ryan nimmt man seine Rolle jederzeit ab, auch wenn die Vorlage eigentlich einen schwarzen Helden vorgesehen hat – nur gab es zu der Zeit keine schwarzen Filmstars - , während Audrey Totter wesentlich mehr ist als nur hübsches Beiwerk.

Insofern ist es, dass diese RKO-Produktion aus dem Jahre 49 fast ein wenig in Vergessenheit geraten ist, während Mark Robsons Champion und Robert Rossens Body and Soul weit öfter genannt werden, wenn es über das Thema Boxen im Kontext des Film Noirs gesprochen wird. Dabei braucht sich The Set-Up vor seiner namhaften Konkurrenz nicht verstecken, zählt er doch zu Robert Wises besten Filmen und unter Noirheads ist der Film definitiv ein Must-See – für den filmisch interessierten Rest übrigens auch.

Inzwischen ist es 10.17pm – und ja, der Film spielt in Echtzeit – und Stoker Thompson muss nun die Konsequenzen seiner Entscheidung tragen, denn so ist das Leben.

Freitag, Juli 02, 2010

Mich gibt's auch noch.

Das dürfte nun der x-te Versuch des Jahres sein, wieder halbwegs Routine in den Blog zu bringen. Muss meinem Schweinehund nur stark genug in den Hintern treten, dann dürfte es auch wieder laufen.
Die Tage dann wieder mehr von mir.

Mittwoch, Juni 09, 2010

While the City Sleeps - ab Juli auf DVD in England

Fritz Lang, dessen Noir-Beiträge von Fans und Liebhabern geschätzt werden, drehte 1956 für die RKO Studios den Film While the City Sleeps mit Dana Andrews und Rhonda Fleming. Zusammen mit Beyond a Reasonable Doubt gehört er zu den Titeln, denen bisher eine DVD-Veröffentlichung verwehrt blieb.
Nun hat sich zumindest bei While the City Sleeps das Blatt gewendet, erscheint er doch am 26. Juli 2010 in England weltweit zum ersten Mal auf DVD. Verantwortlich für diese VÖ ist das mir bis dato unbekannte Label Exposure.
Man kann nur hoffen, dass der Film eine würdige Umsetzung erfährt, denn die Tatsache, dass er beim letzten Warner Noir-Set nicht berücksichtigt wurde, lässt von einer geringen Chance ausgehen, dass er in den USA so schnell eine DVD bekommt - nachher sogar nur ein Dasein als DVD-R Warner Archive-Titel fristen muss.

Gemäß der Produktbeschreibung von Amazon.co.uk wird die DVD als Extras eine Pressebuch-Galerie sowie eine Postergalerie enthalten. Anbei das Cover:

Montag, Juni 07, 2010

Einen vor den Latz geknallt

Blaxploitation trifft auf Italo-Western in dieser amerikanisch-italienischen Co-Produktion aus der Mitte der 70er Jahre. Angesichts dieser etwas anderen Kombination, spitzt der geneigte Fan doch die Ohren. Mit an Bord sind neben Lee Van Cleef auch die Aushängeschilder des Blaxploitationfilms Fred Williamson, Jim Brown und Jim Kelly. Unter der Regie des zu der damaligen Zeit durchaus bekannten Antonio Margheriti machen die Vier dann die Kanaren unsicher, denn dort wurde gedreht, wie man an der zerklüfteten Landschaft vulkanischen Ursprungs sehen kann. Die Story dreht sich dabei um zwei Männer: Lee Van Cleef spielt, wie so oft, einen fiesen Kopfgeldjäger, Kiefer, der auch seine eigene Großmutter ausliefern würde, wenn die Prämie stimmt. Dann gibt es noch den Cowboy Pike (Jim Brown), der zusammen mit dem Viehbesitzer Morgan (Dana Andrews) eine Herde Rinder getrieben hat. Leider verstirbt Morgan am Zielort und trägt Pike auf, mit dem Erlös der Viehherde, immerhin 87000 Dollar, zurück zur Ranche zu reiten. Natürlich spricht sich die Botschaft schnell rum, dass ein Schwarzer mit 87000 Dollar unterwegs ist und so hat Pike bald diverse Häscher an seiner Ferse. Doch er bekommt Unterstützung von Tyree (Fred Williamson), einem Spieler, und dem stummen Indianer Kashtok (Jim Kelly). Während sich die meisten Verfolger meist sehr ungeschick anstellen, geht die meiste Gefahr von Kiefer aus, der auch noch eine alte Rechnung mit Pike offen hat.
Vorweg sei einmal gesagt, dass man dem Film durchaus anmerkt, dass hier Amerikaner mit am Werk waren. Das beginnt bei der reinen technischen Ausstattung am Set und endet beim Score von Jerry Goldsmith, der sich doch recht stark von der italienischen Genremusik aus der Feder von Morricone, Noclai oder Bacalaov unterscheidet. Tote brauchen keine Dollars, so der deutsche Alternativtitel, ist aber trotzdem für Nichtfans von US-Western interessant, allein aufgrund der skurrilen Charaktere. Williamson und Brown haben ein durchaus loses Mundwerk und besonders im Original einen äußerst nette Slang drauf, während Jim Kellys Charakter den Vogel abschießt. Einen Indianer darstellend, besiegt er seine Gegner im Nachkampf mit Martial Arts Techniken und springt wie angestochen durchs Bild. Dazu wurde seiner Person eine "Reitphobie" auferzwungen und so joggt er fröhlich durch die Wüste, während Williamson und Brown hoch zu Ross hinterhertraben. Auch Van Cleef sieht mit seiner buschigen Frisur etwas wirr aus, spielt aber sonst routiniert seine ureigenste Rolle. Inhaltlich kann die Verfolgungsstory dabei aber nicht immer überzeugen, gibt es durchaus zähe Momente, in denen man sich etwas mehr Drive wünscht. Schlußendlich ist hier ein seichter Genremix herausgekommen, der Fans beider Lager ansprechen dürfte, für Außenstehende aber eventuell nicht so attraktiv sein dürfte: 06/10.

Dienstag, Juni 01, 2010

Schnellboote vor Bataan


Dass Film weit mehr als nur harmlose Berieselung ist, dürfte im Grunde jeder schon am eigenen Leib erfahren haben. Wie oft hat man schon mit einem Charakter mitgefiebert, während man dem Antagonisten den Tod an den Hals gewünscht hat? Film, das ist auch immer eine Manipulation des Zuschauers, die natürlich in jede Richtung gehen kann. Der Macht dieses Mediums war man sich natürlich auch während des Zweiten Weltkriegs bewusst und so haben Nationen beider Kriegsparteien Film als Propagandamittel eingesetzt. So drehte der schon damals gefeierte John Ford verschiedene Dokumentationen für das Navy Department und das Office of Strategic Services. Angesichts dieser Vita ist es wenig verwunderlich, dass man seinem 1945 entstandenen Kriegsfilm Schnellboote vor Bataan skeptisch gegenüber tritt. In Kombination mit John Wayne meint man das Pathos schon fast riechen zu können.

Der Film spielt im Jahr 1941, kurz vor dem Angriff der Japaner auf Pearl Harbor. Die beiden Lieutenants Brickley (Robert Montgomery) und Ryan (John Wayne) sind einer Schnellbootflotille auf den Philippinen zugeteilt. Doch die Navy ist nicht von der Schlagkraft der kleinen Boote überzeugt und Ryan, der durchaus seine Karriere gefährdet sieht, möchte am liebsten versetzt werden. Der Kriegseintritt der USA ändert die Situation nur insofern, als dass Ryan doch auf den Philippinen verbleibt, denn die Marineführung hält weiterhin wenig von den wendigen Schnellbooten und hält für den kleinen Trupp zuerst nur Transport- und Kommunikationsaufgaben bereit. Doch auch diese Missionen sind alles andere als ungefährlich, was Ryan am eigenen Leib erfahren muss. Nur widerwillig lässt er sich in das nächste Lazarett bringen, wo er die Bekanntschaft der schönen Krankenschwester Sandy Davyss (Donna Reed) macht. Für eine große Romanze ist jedoch kaum Zeit, stehen die Japaner quasi vor der Tür und erst jetzt, als die Situation immer ernster wird, dürfen die Schnellboote auch Kampfeinsätze fahren. Trotz zahlreichen Erfolgen sind sie den heranrückenden Truppen zahlenmäßig deutlich unterlegen und schon bald wird die entscheidende Schlacht um die Philippinen folgen. Vorher muss der Trupp jedoch noch eine Geheimmission absolvieren: die Evakuation der Militärelite auf den Philippinen, damit diese mit einem Flugzeug nach Australien ausgeflogen werden können. Noch einmal werden alle Kräfte mobilisiert.

Schnellboote vor Bataan ist ein schönes Beispiel dafür, wie schnell sich ein Genre unter Umständen ändern kann. Während amerikanische Kriegsfilme zu Beginn des Zweiten Weltkriegs noch von patriotischen „Wir schlagen zurück“-Reden durchzogen waren und heroische Soldaten bis zum letzten Atemzug für ihr Vaterland kämpften, hat sich 1945 der Duktus geändert. Inzwischen waren die Genrebeiträge subtiler geworden, ruhiger und vor allem authentischer, da diverse Veteranen an den Produktionen mitwirkten, die Schauspieler zum Teil selbst dienten – Montgomery war zum Beispiel einem Schnellbootkommando zugeteilt und sich das Blatt des Krieges natürlich auch gewendet hat. Das amerikanische Publikum brauchte keine unmittelbare Unterstützung und Erinnerung an die vernichtenden Niederlagen von z.B. Pearl Harbor und den Philippinen. Das Blatt hatte sich gewendet, man hatte zurückgeschlagen. So versucht Ford auch viel mehr, den Alltag der Soldaten darzustellen, die ihren Dienst auf den Philippinen abgeleistet haben. Speziell dieses Dienstableisten hat eine hohe Bedeutung für den Film, was spätestens in den Schlußszenen verdeutlicht wird. Halsbrecherische Kamikazeunternehmen sucht man hier genauso vergebens, wie eine unmenschliche Darstellung der Japaner. Sowieso sucht man den Feind hier vergeblich, denn bis auf einige wenige Szenen, in denen man japanische Flieger und Schiffe sieht, bekommt man ihn nicht zu Gesicht und doch scheint er allgegenwärtig zu sein. Dies soll wiederum nicht bedeuten, dass man hier schon von einer kritischen Aufarbeitung der Geschehnisse sprechen kann, nicht bei einem John-Ford-Film aus dieser Zeit und natürlich trifft man noch immer auf Pathos, speziell das letzte Bild des Films ist dafür ein gutes Beispiel aber insgesamt hat man dieses Element auf ein erträgliches Maß reduziert.

Rein inhaltlich ist der Film fast episodenhaft aufgebaut, wobei besonders die John Wayne – Donna Reed Episode ein wenig zu einem Bruch führt und Schnellboote vor Bataan ein wenig in die Länge zieht. Zum Schluß merkt man schon, dass man stramm auf die 140 Minuten zugeht. Nichtsdestotrotz wusste sich John Ford zu helfen und hat die restlichen Szenen teils spektakulär auf die Leinwand gebannt. Unter Zuhilfenahme der US-Streitkräfte wurden so waghalsige Actionszenen inszeniert, die vor 65 Jahren sicherlich noch eine ganz andere Wirkung hatten als heute. Da brausen die Schnellboote durch die Gewässer Floridas – hier wurde gedreht – und werden von Fliegern beschossen, von Küstenbatterien ins Kreuzfeuer genommen und die Geschützkugeln schlagen nur wenige Meter neben ihnen im Wasser ein. Blickt man jetzt noch kurz auf die schauspielerische Seite, findet man natürlich routinierte Arbeit vor, wenngleich Montgomery, der am Set wohl auch von John Ford bevorzugt behandelt wurde und diesen sogar als Regisseur vertreten hat, als Ford krank war, Wayne die Schau stiehlt. Im Grunde aber kein Wunder, dürfte der Dreh für Montgomery eine Rückkehr auf bekanntes Terrain gewesen sein.

Insgesamt ist John Ford ein äußerst guter Genrebeitrag gelungen, der nicht ganz pathosfrei eine unterhaltsame und stellenweise durchaus emotionale Geschichte aus den frühen Kriegstagen der USA erzählt, die sicherlich auch für Einsteiger geeignet ist. Die Zähe mancher Abschnitte des Films und die etwas zu lang geratene Laufzeit fallen dabei negativ ins Gewicht: 7,5/10.

Montag, Mai 31, 2010

Kim Novak Film Collection - ab August von Sony


Die guten Seelen bei Sony haben ein weiteres Klassikerset angekündigt. So erscheint am 10. August die Kim Novak Film Collection mit fünf Filmen der berühmten Schauspielerin. Bei diesem Set wurde vor allem auf die Restaurierung der bereits erhältlichen Titel Picnic und Bell Book and Candle geachtet, die wie viele andere ältere Farbfilme unter erheblichen Ausbleichungserscheinungen litten.
Dies soll dank neuer Restaurationen nun nicht mehr der Fall sein und so erscheinen diese beiden Titel in neuer Pracht und teilweise auch endlich im OAR auf DVD.
Insgesamt werden fünf Filme an Bord sein:
  • Picnic (1955) (Remastered)
  • Pal Joey (1957) (Remastered)
  • Jeanne Eagles (1957) (DVD-Premiere)
  • Bell Book and Candle (1958) (Remastered)
  • Middle of the Night (1959) (DVD-Premiere)

Als Extras lassen sich auf der Sony-Homepage folgende Angaben finden:
  • Kim Novak's Hollywood Picnic
  • Reflections In The Middle of The Night
  • Backstage and At Home with Kim Novak
  • Select Scenes Commentary with Kim Novak and Author Stephen Rebello
  • Bewitched, Bothered and Blonde

Freitag, Mai 28, 2010

Die Nacht der Creeps

Was boten die 80er noch gleich neben knalligen Farben, Schulterpads und der Neuen Deutschen Welle? Genau, liebevolle Filme mit Kultcharakter und Die Nacht der Creeps ist einer dieser Vertreter und das sicherlich nicht, weil hier wie doof an der Goreschraube gedreht wird. Letzteres liegt viel mehr an dem gelungenen Mix aus B-Horror-Hommage, 80s-Teen-Flick, viel Witz und ein wenig Splatter. Der Film beginnt in den schwarzweißen 50er Jahren. Während sich auf der Erde die Collegeteens zum Ausgehen bereit machen, wird auf einem Alien-Raumschiff ein Experiment sabotiert und die Versuchstiere freigelassen. Diese rauschen nun in Richtung blauer Planet und just in diesem Moment hat es sich ein Pärchen auf dem "Fummelfelsen" gemütlich gemacht. Zu allem Überfluss ist auch noch ein irrer Axtmöder entflohen und dreimal dürft ihr raten, wo er wieder auftauchen wird. Cut. Die knalligen 80er sind am Start und die beiden College-Loser Chris (Jason Lively) und J.C. (Steve Marshall) auf Brautschau. Besonders die schöne Cynthia (Jill Whitlow) hat es Chris angetan und um seiner Meinung nach die Chancen bei ihr zu vergrößern, überredet er J.C. dazu, dass sich die beiden der beliebten Studentenvereinigung anschließen. Das Aufnahmeritual sieht dabei vor, dass die Beiden eine Leiche stehlen und diese vor einer anderen Vereinigung platzieren. Kurzerhand wird in die medizinische Fakultät eingebrochen, wo sie die Leiche aus einem Experiment klauen - es ist unser tiefgefrorener Schönling aus den 50s. Ein mächtig großer Fehler, wie sich schnell herausstellt, hatte er doch unschönen Kontakt mit dem "Alienabfall". Bald häufen sich die Morde und Detective Ray Cameron (Tom Atkins) hat alle Hände voll zu tun, knappert aber selbst an seiner Vergangenheit. Naja und Chris muss ja noch Cynthia für sich gewinnen. Was hier ein wenig überfrachtet klingt, ist in Wirklichkeit eine überaus unterhaltsame Story, voller toller Charaktere. Auch wenn Chris und J.C. ein wenig geekig erscheinen, wurden ihnen geniale Dialoge in den Mund gelegt und so macht es schon allein Spaß, die Beiden bei Chris Annäherungsversuchen zu beobachten. Dazu merkt man an jeder Ecke, dass Regisseur Frank Dekker B-Movie-Fan war. Das beginnt bei den unförmigen Aliens im Raumschiff und zieht sich über die selbstironischen Monologe bis zum Ende hin durch. Dazu gibt es kultige One Liner von Tom Atkins, der wie aus einem Hard Boiled-Roman entsprungen daherkommt. Eingefangen ist das Alles in die knallig bunten Farben der 80er, inkl. Synthesizer-Score, oder aber in authentischem Schwarzweiß und Rock'n Roll der 50er. Wenn zum Finale dann die Infizierten Überhand nehmen, hat auch ein Peter Jackson zugeschaut und sich Beseitigungstipps geholt. Auch wenn in den Momenten gesplattert wird, bleibt es aber weiterhin im Rahmen und fügt sich harmonisch in das Gesamtbild ein. So bleibt am Ende auch nur ein Fazit zu ziehen: Die Nacht der Creeps macht einfach Spaß und verdient sich die 08/10 Punkte auch spielend leicht.

PS. Die US-Blu-ray ist nen Knüller. Klare Kaufempfehlung.

Mittwoch, Mai 26, 2010

In den Klauen der Mafia

Raus aus der Schreibabstinenz und hinein in das Vergnügen italienischer Filmkunst. Erneut sitzt Stelvio Massi auf dem Regiestuhl doch diesmal hat er die lustigen Sperenzchen daheim gelassen und fährt bei In den Klauen der Mafia vollends auf der harten Schiene. Getreu dem Motto, gut gemopst ist halb gewonnen, trifft man bei der Story auf einen alten Bekannten. Yojimbo bzw. Für eine Handvoll Dollar stehen auch hier Pate und werden in diesem Poliziotteschi verwurstelt. Im Gegensatz zu manch anderem Kollegen macht man auch gar kein Hehl daraus, und lässt 90% der Originalstory so bestehen. Nur hier und dort gibt es ein paar Neuigkeiten und natürlich jede Menge Gewalt und Sleaze als Gewürzmischung, damit das aufgewärmte Gericht auch schmeckt. Carlos Monzon mimt hier den Part des Fremden, der die Verhältnisse auf den Kopf stellt und die beiden Gangstersyndikate gegeneinander auspielt. Hier hat er dann auch eine richtige Backstory bekommen, die am Ende aufgeklärt wird, der Figur jedoch das Mystische raubt aber nun gut. Anstelle eines Spelunkenwirts bzw. eines Sargbauers sind es hier ein arbeitsloser "Neapolitaner" inkl. blinder "Tochter", die dem Fremden zur Seite stehen. Wie schon erwähnt, ist ja die Story bekannt und so blicken wir noch kurz auf die beiden Gangsterbanden, die schon bald ausradiert werden: Auf der einen Seite gibt es die Manzettis, angeführt von Rico (Luc Merenda), ein Meisterschütze und kaltblütiger Killer. Ihm gegenüber steht Bobo Belmondo, ein weiterer ehrenwerter Bürger Italiens. Wenn man jetzt davon absieht, dass man den Film mit dem Vorwissen der Originale blind voraussehen kann, ist er trotzdem noch immer äußerst unterhaltsam. Dies liegt natürlich an der Inszenierung. Wie schon angeführt, packt man hier die Sleazekeule aus, um das Publikum zu locken und so gibt es diverse blutige Schußwechsel und auch das weibliche Geschlecht wird des Öfteren entblößt zur Schau gestellt. Äußerst amüsant ist ja die Unterhaltungsshow in Bobos Nachtclub aber seht selbst. Funky ist auch die musikalische Untermalung aus der Feder Luis Enríquez Bacalovs, der den meisten Kill Bill-Guckern zwar namentlich nicht bekannt ist aber dafür musikalisch. Leider, leider passt es auf der schauspielerischen Seite dann auch nicht wirklich. Luc Merenda ist zwar ein halbwegs bekanntes Gesicht im Genre aber an einen Gian Maria Volonte kommt er nicht ran und so ist sein Rico Manzetti auch wenig bedrohlich. Auch Monzon kann z.B. Eastwoods Poncho nicht wirklich ausfüllen. Er wirkt zwar meist bemüht aber das hilft auch nicht weiter. Fans der anderen italienischen Filmkunst kommen nichtsdestotrotz auf ihre Kosten und so gibt es am Ende noch 06/10 für In den Klauen der Mafia.