Sonntag, Dezember 03, 2006

Der gnadenlose Rächer


Während seiner langen Karriere schien sich Robert Mitchum für keine Rolle zu schade gewesen zu sein. Anders ist es nicht zu erklären, dass seine Filmografie einerseits zeitlose Klassiker aufweist, andererseits aber auch von vielen B-Produktionen gesäumt ist. Zu letzterer Gattung kann auch „Der gnadenlose Rächer“ gezählt werden, einer von vielen Western, in denen Mitchum zu sehen ist.

Ben Kane (Robert Mitchum) hat nur ein Ziel vor Augen: den Mörder seines Sohnes, Frank Boone, zur Strecke zu bringen. Um dies zu erreichen, nimmt er einen Job als Deputy Marshal in einem kleinen Nest an, wo sich der vermeintliche Mörder herumtreiben soll. Auf seinem Weg dorthin begegnet er dem leichtsinnigen Jungspund Billy Young, dem er auch prompt aus der Klemme helfen muss. Von nun an bestreiten sie die Reise zusammen. In der Kleinstadt angekommen, erregt Ben nicht nur die Aufmerksamkeit der Amüsierdame Lily (Angie Dickenson), sondern auch die der örtlichen Ganoven. Schon bald kommt es zu dem lang erwarteten Duell mit Boone...

Nicht nur inhaltlich beschreitett der Film keine neuen Wege, handelt es sich hierbei doch um eine der zahlreichen Massenproduktionen der 50er und 60er Jahre, welche ohne große Innovationen billig heruntergekurbelt wurden. Negativ bei diesem Werk kommt dann auch noch hinzu, dass die Geschichte mehr als holprig erzählt wird. Immer wieder kommt es zu langen Verschnaufpausen, durch die sich der Film auf der Stelle bewegt. Setzt er zu Beginn noch mit einer bis ins Äußerste gedehnten Opening Sequence ein, scheint diese für den weiteren Verlauf keine wirklich wichtige Rolle mehr zu spielen und ist im Grunde in dieser Form überflüssig. Ist dieser Abschnitt vollendet, fokussiert der Film auf die scheinbare Vater-Sohn-Beziehung Kanes und Youngs, während sich der Zuschauer weiterhin die Frage stellt, wohin diese Produktion eigentlich genau will. Ausschweifende Kamerafahrten und weitere Szenen von besserer Lückenfüllerqualität wechseln sich ab. Inhaltlich kommt man nicht weiter und auch die Charakterzeichnung wird dadurch nur marginal unterstützt, sind doch Rollen- und Eigenschaftsverteilung bei Konstellationen dieser Art schon aus anderen Genrebeiträgen bekannt. Einzig die trockenen Kommentare Ben Kanes lockern die ansonsten nüchternen und zeitraubenden Szenen auf. Große Variationen erlebt man hier aber auch selten und so vergeht über die Hälfte der gesamten Spielzeit, bis man endlich in besagtem Örtchen ankommt, und der Zuschauer nähere Umstände für die Motivation der einzelnen Personen erfährt. Zur Konfliktlösung bleibt dann nur wenig Zeit und so ist es nicht verwunderlich, dass einige Handlungsabläufe dann auch nicht wirklich verständlich erscheinen, kommen sie doch teilweise wie aus heiterem Himmel und viel zu plötzlich, als dass sie nachvollziehbar seien. Es hat ganz den Anschein, als habe man hier versucht, all das nachzuholen, was man bisher vergessen zu haben meint. Da werden zwar einige Stränge angeschnitten, zur Durchführung kommt es aber nicht und die Schwächen des Drehbuchs werden für den Zuschauer immer offensichtlicher. Als nervig stellen sich ebenfalls die moralischen Anflüge Billys heraus, dessen Wandel vom Bandit, wie er in der Eröffnungssequenz noch vorgestellt wird, zum Gutmenschen in keiner Weise nachvollziehbar ist. Zu allem Überfluss gesellt sich dann auch noch eine recht unspektakuläre Inszenierung. Die wenigen Actionsequenzen sind schlecht in Szene gesetzt, Dynamik kommt fast zu keinem Zeitpunkt auf, ist der Film doch einfach viel zu schwerfällig und träge. Immerhin ist die technische Präsentation ganz ordentlich, werden hier doch viele Doppelbelichtungen und Montagen verwendet, um insbesondere Kanes Flashbacks optisch ansprechend zu präsentieren und auch die Kameraarbeit kann sich sehen lassen, sofern man nicht wieder ausschweifend auf einen Canyon draufhält und im Film während dieser Zeit nichts passiert. Bei solch einem missratenen Buch, können auch die Darsteller nicht mehr viel herausholen.
Mitchum bietet eine routinierte Präsentation seiner Figur ohne jedoch entscheidende Akzente setzen zu können. Hier und da werden ein paar zynische Kommentare abgelassen, was vielleicht den Hardcore Westernfan verzückt, doch dem Ottonormalgucker dürfte sein sonst steinernes Spiel wenig zusagen. Zu seiner Verteidigung muss man aber auch sagen, dass man aus einer solch eindimensionalen Figur nicht viel machen kann und er trotzdem der Hauptgrund ist, sich diesen Film zu Gemüte zu führen. Neben ihm sieht Robert Walker Jr. als Billy mehr als blass aus und seine Rolle ist ziemlich nervtötend. So ein notorischer Strahlemann tut mir jedenfalls nicht gut. Hübsch anzusehen ist Angie Dickensons Lily, deren beste Szene eindeutig ihr Bad in der Wanne ist. Ansonsten hat sie so wenig Screentime, dass sie nicht wirklich was hätte falsch machen können. In einer weiteren Nebenrolle ist dann auch noch David Carradine zu bestaunen, dessen Auftreten aber nicht weiter erwähnenswert ist.

Zu empfehlen ist dieser Film wirklich nur für hartgesottene Genre-Fans oder Mitchumkomplettisten, denn ansonsten bietet „Der gnadenlose Rächer“ kaum Anreize angeschaut zu werden. Ein schwacher Vertreter der Spätwestern-Ära und dabei kein Einzelfall. Kein Wunder, warum man zu dieser Zeit den Fokus auf Italien und die Spaghettiwestern gelegt hat.
4/10

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